Können wir schweigen?

Ein Verleumder verrät, was er heimlich weiß; aber wer getreuen Herzens ist, verbirgt es.



Sprüche 11, Vers 13





Kennen Sie den inneren Drang, den man verspürt, wenn man etwas aufregend Neues erfahren hat? Ich meine den unwiderstehlichen Drang, andere an dieser Neuigkeit teilhaben zu lassen.



Man muss hier unterscheiden, ob es sich um eine Neuigkeit handelt, die keiner Geheimhaltung bedarf oder um eine, die man besser für sich behält.

Aber gerade von Letzterem geht ein besonders starker Reiz aus.



Sind wir schon mal der Versuchung erlegen eine vertrauliche Sache, unter dem "Siegel strengster Verschwiegenheit", versteht sich, einem Dritten kundzutun?

Wer jetzt behauptet, so etwas noch nie getan zu haben, sagt nicht die Wahrheit.



Und wem ist nicht schon einmal etwas unter dem "Siegel strengster Verschwiegenheit" gesagt worden, was der Betreffende eigentlich gar nicht hätte weitersagen dürfen?



Aus dem heutigen Wort entnehmen wir, dass unlautere Geschwätzigkeit etwas ist, was Gott missfällt, geht es hier doch um schwerwiegende Vertrauensbrüche, auf die der Betrogene entsprechend heftig reagiert, wenn der davon erfährt, und was für den Verräter nicht immer ohne Folgen bleibt.



Wenn mir etwas anvertraut wird, dann ist das nur für mich bestimmt und jeder andere, und sei er noch so vertrauenswürdig, ist bereits einer zuviel.



Neben dem Reiz, der darin beseht, "Neuigkeiten" weiterzugeben, verspüren manche dazu noch das unstillbare Verlangen höchst private und intime Informationen über ihre Mitmenschen zu erlangen, um diese anschließend entsprechend zu verwerten.



Und wie man hört, sind hier nicht nur Geheimdienste aktiv. Die moderne, für jedermann käufliche Elektronik, eröffnet Spionage-, Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten, welche die kühnsten Träume übertreffen.



Schützen kann man sich eigentlich nur dadurch, dass man sich selbst keinerlei elektronischer Geräte und keinerlei Plastikkarten bedient. Aber wer macht das schon?



Woher kommt eigentlich dieses Interesse an unseren Mitmenschen? Ich sehe auch darin eine Folge des Sündenfalles. Eigentlich sollten wir schon, in einem positiven Sinn, an unserem Mitmenschen interessiert sein, indem wir ihre Nöte erkennen um diesen selbstlos abzuhelfen.



In der unlauteren Schnüffelei, die nicht zum Guten dient, haben wir hingegen das satanische Zerrbild.



Aufschlussreich sind hier die Aussagen in der Offenbarung, wonach in der neuen Welt Gottes alles gläsern und durchsichtig sein wird. Der "gläserne Mensch" ist dann keine Horrorvorstellung mehr, weil alles offen ist und keiner mehr Grund hat, Geheimnisse zu haben.



Denn was sind Geheimnisse? Etwas, was wir verbergen müssen. Und warum müssen wir es verbergen? Etwa, weil es für uns nachteilig oder belastend wäre?



Ich stelle hier gern die Frage, die jeder selbst beantworten muss: "Was gibt es in meinem Leben, von dem ich will, dass es nie jemand erfährt?"



Wer sagt, "da gibt es bei mir nichts", sagt die Unwahrheit.



Gott wolle uns dazu verhelfen, dass wir treu und verschwiegen sind und auch im persönlichen Bereich keinen "Enthüllungsjournalismus" zu betreiben und auch die Geschwätzigkeit anderer nicht missbrauchen. Denn wenn man will, dass etwas bekannt wird, muss man es nur jemandem sagen, von dem man weiß, dass er den Mund nicht halten kann.



Aber auch das ist unsauber und fällt auf einen selbst zurück, weil es nicht schwer ist, die Meldung bis zum Verursacher zurück zu verfolgen.





Jörgen Bauer