Ein Prophet ist sauer!

Ach, Herr, das ist's ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war,
weshalb ich auch eilends nach Tarsis fliehen wollte; denn ich wusste,
dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist
und lässt dich des Übels gereuen.

Jona 4, Vers 2


Die Geschichte von Jona ist Bibellesern bekannt. Jona sollte den Bewohnern
Ninives Gottes Gericht ankündigen. Eine unangenehme Sache, weshalb er
es vorzog zu flüchten.

Es wird uns berichtet, dass das Schiff, mit dem er fliehen wollte, in
schwere Seenot geriet, worauf Jona letztendlich ins Meer geworfen
wurde und wir kennen die Geschichte, wonach Jona von einem Fisch
verschlungen und letztlich, auf Geheiß des Herrn, wieder an Land
gespieen wurde, worauf er dem neuerlichen Befehl Gottes, nach Ninive
zu gehen, folgte.

Und Jonas predigte in Ninive und sagte den Leuten, dass die Stadt noch
40 Tage habe und danach untergehe. Und die Predigt hatte Erfolg. Die
Bewohner der Stadt, einschließlich des Königs, taten Buße und bekehrten
sie von ihrem bösen Weg, was dazu führte, dass Gott die Stadt verschonte.

Außerhalb der Stadt wartete Jona auf das Gerichtshandeln Gottes, aber
nichts geschah und das verdross Jona sehr, der sich wohl ein unterhaltsames
Spektakel versprochen hatte, aus dem dann nichts wurde, und deshalb
zürnte er Gott.

Das gesamte Geschehen ist sehr aufschlussreich:

Gott nimmt einen erteilten Auftrag oder eine Berufung nicht zurück.
Eine Flucht ist zwecklos und bleibt dazu nicht folgenlos. Schließlich muss er seinen Auftrag doch erfüllen. Gott wirkt, dass die Mission Erfolg hat.

In typisch menschlicher Weise möchte Jona, der zunächst selbst ungehorsam
war, vermutlich mit einem Gefühl von Schadenfreude, die Strafe über die
Sünden der Bewohner von Ninive, erleben. Und weil das nicht geschieht,
ist er "sauer" auf Gott.

Gott bleibt aber auch dem zürnenden Jona gegenüber freundlich und bringt
ihn zum Nachdenken.

Interessant ist, was Jona Gott gegenüber als Grund für seine Flucht nach Tarsis angibt, und das ist eine ganz faule Ausrede. Solche oftmals plausiblen Ausreden fallen auch uns ein, wenn wir uns vor etwas drücken wollen. Aber
Gott können wir damit nicht täuschen!

Was mir an der Ausrede aber sehr gefällt, ist die zutreffende Aussage, dass Gott gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte ist, weshalb ER
von Strafe auch absehen kann.

Das ist Evangelium pur. Und dieses Zeugnis hat mich sehr berührt und
erfrischt. Ja, so ist Gott! ER ist der Inbegriff alles Guten, Schönen,
Erfreulichen, Aufbauenden, Anheimelnden usw. Und nur an IHN wollen wir
uns halten!

Jörgen Bauer