Können wir den Frieden bewahren?

Und es kam heraus ein zweites Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie
sich untereinander umbrächten, und ihm wurde ein großes Schwert gegeben.

Offenbarung 6, Vers 4



Des Ende des 1. Weltkrieges liegt über 100 Jahre zurück - wobei der
1. Weltkrieg seine Fortsetzung im 2. Weltkrieg fand, dem sich dann
der Kalte Krieg anschloss. Und wirklich Frieden war auch danach nie.

Wir haben das unglaubliche Glück, seit jetzt 75 Jahren im Frieden zu leben,
was wir als ganz selbstverständlich hinnehmen, was aber ein großes
Geschenk ist.

Dadurch, dass man seine Zeit und Kraft nicht für den ganz unmittelbaren Überlebenskampf einsetzen muss, hat man viel Zeit um allerlei Probleme zu (er)finden, für die man in echten Notlagen weder Sinn noch Zeit hätte. Zu diesem Eindruck kommt man, wenn man liest und hört, mit was man sich
so alles beschäftigt.

Als Christen sollten wir die geschenkte Gnadenzeit auskaufen und immer wieder auf das hinweisen, was ewigen Bestand hat und damit wirklich zählt.

Die Friedensbewegung hat bei uns eine schon längere Tradition, und es ist
zu hoffen, dass da auch Menschen dabei sind, die ernstlich und mit gläubigem Herzen für den Frieden beten, weil sie wissen, dass "mit unserer Macht nichts getan ist", wie Martin Luther dichtete. Und sicher hat Gott solche Gebete
auch schon erhört.

Frieden stiften sicher diejenigen, die sich nicht aufs Marschieren, Demonstrieren und auf das Stellen von Forderungen und Absichtserklärungen beschränken, sondern tatkräftig an Friedensprojekten mitwirken.

Aber wie ist das nun mit dem Frieden?

Dass es auf Dauer keinen Frieden geben kann, liegt in der gefallenen und
damit friedlosen menschlichen Natur begründet. Der Mensch ist mit sich
selbst, seinen Mitmenschen und mit Gott im Unfrieden, und das fängt schon
im engsten Familienkreis an, wo es zu Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen kommt, was sich dann im Großen fortsetzt.

Gott kann Menschen dahingeben und es zulassen, dass sie ihren aggressiven
Trieben folgen. "Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu
und erschreckt nicht, denn das muss so geschehen", lässt Jesus die Seinen wissen (Matthäus 23, 6).

Gott selbst ist ein Gott des Friedens, und das Wort "Frieden" kommt im Wort Gottes sehr häufig vor. Christen sollen Friedensboten und Friedensbringer sein.

Paulus schreibt, dass wir, sofern es an uns liegt, mit allen Menschen Frieden haben sollen. Aber wie bereits Friedrich Schiller feststellte, kann auch der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

Aus dem heutigen Vers können wir erkennen, dass der Friede in Gottes Hand liegt und dass es Gott zulassen kann, dass der Friede von der Erde
genommen wird, der Mensch also auch hier nichts in der Hand hat. Auch
hier unterliegt der Mensch, der sich gerne als Macher sieht, einer Selbsttäuschung.

Aber heißt das nun, in fatalistischer Weise zu resignierren, nach dem Motto, "es kommt alles, wie es kommen muss, und dagegen kann man nichts machen"?

Nein, das war noch nie die Haltung eines Christenmenschen. Sofern es an
uns liegt, wollen wir Gott bitten, dass wir mit allen Menschen Frieden halten und für den Frieden einstehen können und uns dazu von Gott in Dienst nehmen lassen, damit ER durch uns hindurchwirken kann, damit wir zu Friedensbringen werden. Gott kann so auch aus kleinen Anfängen etwas Großes werden lassen.

Jörgen Bauer