Der nächste Sonntag komm bestimmt!

Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes
ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns
gegeben ist.

Römer 5, Vers 5


"Hoffen und Harren macht manchen zum Narren", sagt ein Sprichwort
und Sprichworte haben immer einen wahren Kern. Es gibt vergebliche
Hoffnungen, Hoffnungen die nie erfüllt oder herb enttäuscht werden.
Ich habe Mitgefühl mit Menschen deren Hoffnungen sich nicht erfüllten.

Ich sehe in enttäuschte Hoffnungen eine große Tragödie, und solche
Tragödien haben schon viele aus der Bahn geworfen und den Boden
unter den Füßen verlieren lassen, denn ohne Hoffnung kann niemand
leben. Hoffnungslos zu sein ist so gut, wie tot zu sein und nicht wenige
haben sich deshalb schon das Leben genommen.

Aber wie ist das nun mit dem heutigen Vers? Sagt der nicht das gerade
Gegenteil, nämlich dass Hoffnungen immer erfüllt werden?

Ja genau das ist damit gesagt, wobei es allerdings sehr darauf ankommt,
auf was man hofft.

Hofft man auf Menschen und ihre Versprechungen, muss man damit rech-
nen, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllen. Zu diesen Versprechen gehört
alles, was die Welt an Möglichkeiten und Chancen anbietet. Auch das Ver-
trauen in die eigenen Fähigkeiten und das Vertrauen in das Gelingen des
eigenen Lebensweges gehören dazu.

Die Hoffnung, die nicht zuschanden macht, ist die Hoffnung auf Gott und
das feste Vertrauen, dass ER seine Zusagen, die ER uns in Seinem Wort
gibt, hält.

Wer bei dieser Hoffnung bleibt, der kann auch seinen Lebensweg mutig an-
packen und die Chancen und Möglichkeiten wahrnehmen, die die Welt zu
bieten hat.

Er muss sich nicht mit endlosen Versagensängsten und Ängsten vor Nie-
derlagen und Verlusten belasten. Er weiß sich in Gottes Hand und dass
Besseres geschieht, wenn sich manche unserer irdischen Hoffnungen nicht
erfüllen und das eine oder andere misslingt.

Ich las dieser Tage von einem farbigen Pfarrer, dem es in einer Predigt an
einem Freitag nur um den einen Satz ging: "Der nächste Sonntag kommt
bestimmt." Freitage, das können Tage seine, an denen man von der langen
Arbeitswoche ausgelaugt und ermattet ist.

Es gibt auch andere "Freitage", der Pfarrer hatte hier den Karfreitag im Blick,
wo alles verloren und sinnlos schien. Solche Tage gab und gibt es zuhauf.
Und doch folgt jedem Freitag wieder ein Sonntag, und dem Karfreitag folgte
der Ostersonntag, als der Tag der Auferstehung des Herrn, wo alles, was
bis dahin als hoffnungslos und sinnlos schien, plötzlich zur größten Hoffnung
aller Zeiten wurde, die niemanden zuschanden werden lässt.

Welche eine Wandlung von der tiefsten Tiefe zur höchsten Höhe! Gott kann
solches auch in unserem Leben wirken.

Dass der nächste Sonntag ganz bestimmt kommt, ist so sicher, wie dass
Gott seine Zusagen hält, und das ist es, was uns Kraft geben soll.

Solche Hoffnung lässt nicht zuschanden werden.


Jörgen Bauer