Für den Glauben ist kein Ding unmöglich!

Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu
diesem Berge: Hebe dich dorthin!", so wird er sich heben; und
euch wird nichts unmöglich sein.

Matthäus 17, Vers 20


Zu was sollte ich Berge versetzen und für was könnte das gut sein?
Vielleicht für den Straßen- und Eisenbahnbau?

Über diesen Vers wurde schon viel und heiß diskutiert, und das zu-
meist unnötigerweise, weil das mit dem Bergeversetzen tatsächlich
eine Spruchweisheit ist, bei der es um die Bewältigung unlösbar
scheinender Probleme geht.

Jesus hat sich verschiedentlich solcher Spruchweisheitien bedient, wie
wir sie auch aus unserer Sprache kennen, wenn wir zum Beispiel vom
Spatzen in der Hand und der Taube auf dem Dach sprechen.

Vom Glauben und von Erwartungshaltungen geht ganz allgemein eine
große Wirkung aus, auch wenn es sich dabei nicht um den christlichen
Glauben handelt. Man denke nur an den Placeboeffekt. Der Glaube
scheint, ganz real, die Wirklichkeit zu verändern.

Ich las von einem Experimet, bei dem Studenten zwei Gruppen von
Ratten, zu je fünf Tieren, übergeben wurden, die aus der gleichen
Zucht stammten. Den Ratten, die für gewöhnlich sehr intelligent
sind, sollte beigebracht werden, sich in einem Labyrinth zu orien-
tieren.

Dabei wurde die eine Gruppe vom Versuchsleiter als besonders intel-
ligent und die andere Gruppe, als infolge genetischer Einflüsse, weni-
ger intelligent, beschrieben, was so nicht stimmte.

Die als intelligent beschriebenen Ratten erreichten das Lernziel, die
als dumm beschriebenen Ratten, hingegen nicht. Das dürfte darauf
zurückzuführen sein, dass man den angeblich intelligenten Ratten,
von Anfang an, mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat, ohne dass
dies den Beteiligten bewusst wurde.

Interessant an diesem Versuch ist, dass Entsprechendes auch im
menschlichen Miteinander wirksam ist.

Darüber ob und inwieweit solche Effekte auch im Glauben und bei man-
chen "Gebetserhörungen" eine Rolle spielen, will ich jetzt nicht speku-
lieren. Der christliche Glaube geht jedenfalls nicht von solcherart
psychologischen Effekten aus. sondern rechnet fest damit, dass Gott
Gebete erhört und dass es Gott ist, der die Gebete ganz konkret
beantwortet.

Ich hörte den Bericht über einen Mann (Name vergessen), der sich
Waisenkinder annahm und an einem Mittag kein Essen für die Kinder
hatte. Trotzdem setzten sie sich an den Mittagstisch und dankten
Gott für das Essen. In diesem Augenblick klingelte es an der Tür, vor
der der Bäcker stand und Brot brachte, "er habe die ganze Nacht nicht
schlafen können, weil es ihn dazu drängte, Brot zu bringen", sagte
der Bäcker. Kurz darauf klingelte es neuerlich an der Tür, diesmal war
es der Milchmann, der Milch brachte.

In dem Buch "August Hermann Francke - Pädagoge und Reformer",
der gewissermaßen aus dem Nichts ein großes Werk ins Leben rufen
konnte, wird ständig von solchen Dingen berichtet. Und Francke ist in-
soweit kein Einzelfall.

In der Schrift werden wir zum Gebet ermutigt. Aber glauben und ver-
trauen wir wirklich auf Gottes Zusagen? Ja, wenn unser Kleinglaube
nicht wäre!

"Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet", und wenn, dann in unlauterer
Absicht, schreibt Jakobus. Darüber sollten wir nachdenken.


Jörgen Bauer