Gott mit ganzem Herzen dienen!

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Matthäus 6, Vers 21


Eigentlich wird im Evangelium unzumutbar viel von uns verlangt. Zu die-
sem Schluss muss man kommen, solange man in den Kategorien des
natürlichen Menschen denkt.

Es geht darum, dass wir wirklich alles aufgeben und allem entsagen, was
uns lieb und wert, teuer und unersetzlich ist, um allein für Gott da zu sein.

Eine solche Forderung muss, aus menschlicher Sicht, als absolut sinnlos und übertrieben angesehen werden, die man nicht allen Ernstes stellen kann.

Mit einer in dieser Art vorgetragenen Forderung könnte man niemanden
für den Glauben gewinnen.

Aber wie ist denn das wirklich mit dem "alles aufgeben"? Müsste es nicht
zutreffender heißen: "Werft ab, was euch festhält, um alles zu gewinnen?!

Aufgeben kann man nur etwas, an das man sich zuvor gebunden hat. Und
Bindung bedeutet auch unfrei zu sein, auch wenn viele Bindungen, solange
sie keine Belastung sind, als angenehm empfunden werden.

Naturgemäß sind wir an viele Dinge, seien es Menschen oder Sachen gebun-
den, wozu auch unser Ansehen und sozialer Status gehören, und je mehr
wir daran festhalten, um so unfreier sind wir, selbst wenn wir es nicht mer-
ken. Aber woher sonst kommen Sorgen und Verlustängste, von denen man-
che so geplagt werden, dass sie jedwede Lebensfreude verlieren?

Von Bindungen aller Art kann man nur frei werden, wenn man weiß, für was
man frei wird und dass das, wofür man frei wird, besser ist, als das, woran
man bislang gebunden war.

Und hier beginnen Bekehrung und Umkehr, wenn deutlich wird, dass es im
Glauben eigentlich überhaupt nichts zu verlieren gibt, weil Gott alles gehört
und Gott alles durchdringt, auch das, von dem ich meine, dass es mir gehört
und woran ich mich möglicherweise verbissen festhalte.

Gott hat mir Menschen, Gaben und Güter leihweise zur Verfügung gestellt.
Das kann und soll ich dankbar genießen. Ich bin dafür verantwortlich und
soll es in Seinem Sinne gebrauchen und wissen dass ER es jederzeit wieder
nehmen kann. Das einzige was ich bleibend habe, ist die Bindung an IHN,
mit dem ich alles habe.

Wenn Gott uns das erkennen lässt, haben wir einen großen Freiraum
gewonnen.

Trotzdem, so wirklich und ganz frei werden wir nicht - das ist jedenfalls meine
Erfahrung - es ist immer noch viel Widerstand gegen Gott in uns. Ich könnte
mir vorstellen, dass das der Grund dafür ist, dass Gott für uns unsichtbar ist.

Es ist einfach noch zuviel vorhanden, was uns von Gott trennt. Noch sind Gott
und wir kein Herz und eine Seele. Das ist die Folge des Sündenfalles, die wir
nicht aufheben können

Gott weiß das und hat deshalb Seinen Sohn geschickt, der den Weg zurück
zu IHM, durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen, frei gemacht hat.
Was uns rettet ist deshalb die Annahme dieses Heils, kurzum der Glaube.

Wenn wir auf diesem Weg bleiben und uns dabei mehr und mehr frei machen
lassen, sind wir auf dem richtigen Weg.


Jörgen Bauer