Gott kann auch Unglück tun!

Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tut?

Amos 3, Vers 6


Das scheint uns eine seltsame Aussage zu sein. Erwarten wir
von Gott nicht, dass ER vor Unglück bewahrt, und hier lesen
wir das genaue Gegenteil?

Das ist Gott am liebsten: Dass ER uns bewahren kann. Und
die Bibel ist voll von Zeugnissen, in denen es um die Hilfe Got-
tes, Seine Bewahrung und Sein Hindurchtragen geht. Aber das
ist unverdiente Gnade Gottes, auf die niemand einen Anspruch
hat.

Gott kann auch anders. In dem Text, in dem dieser Vers steht,
geht es um Gericht Gottes an Seinem Volk, das von IHM abgefallen
ist, und wo schlimme Dinge eingerissen sind, die Gottes Zorn
hervorrufen mussten.

Aus dem Buch des Propheten Amos ist zu entnehmen, dass zu
Gottes Volk zu gehören, nicht vor dem Gericht Gottes schützt,
aber dass Gott zuvor lange und geduldig mahnt und warnt, dann
aber der Punkt kommt, wo das Gericht unaufhaltsam seinen Lauf
nimmt.

Der Prophet Amos warnt vor Selbstsicherheit, davor, dass es mit
dem Wohlleben schnell zu Ende gehen kann und dass es äußer-
licher Gottesdienst nicht tut, wenn dieser nicht zur Umkehr und
zur Abkehr von falschen Wegen führt.

Aber geht uns das überhaupt etwas an? Die Zeiten des Propheten
Amos liegen doch weit zurück. Und überhaupt ist heute alles anders.

Wirklich?

Derzeit geht es um die Corona-Pandemie, über deren Verlauf mir ständig
neue Informationen zugehen, weshalb ich nicht weiß, was ich von der
ganzen Sache halten soll, zumal mir bislang noch kein an Corona Erkrankter
begegnet ist.

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung bewegt sich die Zahl der mit dem Virus Infizierten - nicht identisch mit den tatsächlich Erkrankten - im Promillebereich.

Die durch die pausenlosen Corona-Nachrichten verursachten Befürchtungen,
geschürten Ängste und Bedenken und die nach deutscher Art überaus gründlichen Vorsichts- und Abwehrmaßnahmen haben uns vielleicht mehr und gründlicher geschädigt, als es eine tatsächlich grassierende Epidemie getan hätte.

Hier bewahrheitet sich der Vers in Sprüche 10,24:

Was der Gottlose fürchtet, das wird ihm begegnen;

Aber das Positive: Die, wie immer erfolgreiche deutsche Gründlichkeit gilt,
auch hier, in der Welt als vorbildlich und nachahmenswert. Es bleibt dabei:
"An unserm Wesen soll die Welt genesen!" Hinzu kommt, dass die Sache mit Corona zu vorher ungeahnten Innovationen geführt und den menschlichen
Erfindergeist beflügelt hat.

Aber was hat das mit Gott zu tun?

Soviel, dass nichts geschieht, was Gott nicht will, der auch das Corona-Virus
geschaffen hat. Ich bin weit davon entfernt, darin ein Gericht oder eine
Strafe Gottes zu sehen, wie das gerne interpretiert wird.

Die Frage ist nicht, warum wir mit dem Corona-Virus bedrängt werden,
sondern wozu das Corona-Virus gut sein könnte. Vielleicht um unsere
eigenen Grenzen zu erkennen und dass es in allen Dingen Gott ist, der im
Regiment sitzt und der allein dem Corona-Virus Einhalt gebieten kann,
wenn wir IHN ernstlich darum bitten und mehr auf seine Macht als auf
unsere menschlichen Möglichkeiten vertrauen.


Jörgen Bauer