Sünde und des Sünder als Realitäten!

Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in
Sünden empfangen.

Psalm 51, Vers 7


Kürzlich sagte mal wieder jemand: "Ich habe keine Sünden begangen!"
Eine Aussage, die öfters gemacht wird, was daran liegt, dass so gut wie
niemand weiß, was Sünde ist.

Unter Sünde wird gemeinhin ein offensichtlich verwerfliches und/oder
kriminelles, strafbares Verhalten verstanden. So gesehen sind alle
diejenigen, die sich nichts zuschulden kommen lassen, keine Sünder.
Und so wird das auch von den meisten gesehen.

Deshalb gibt viele wohlanständige Namenschristen, für die es ein großes Ärgernis wäre, ständig als "elende Sünder" abqualifiziert zu werden, "zumal es ihnen überhaupt nichts vorzuwerfen gibt". Deshalb vermeidet man es auch, in
Gegenwart "frommer" (und manchmal vielleicht auch selbstgerechter?) Hörer,
irgendeinen Bezug zur Sünde herzustellen.

Die Worte "Sünde" und "Sünder" wurden deshalb auch weitgehend aus dem pfarramtlich-theologischen Vokabular gestrichen, und beide Begriffe hätten
nach wie vor die größten Chancen zu den "Unwörtern des Jahres" erklärt
zu werden.

Aber das ist eben die große Selbsttäuschung und Illusion, in der viele
befangen sind, denn Sünde = Trennung von Gott, im biblischen Sinn,
ist viel umfassender, tiefergehender und damit tödlicher als viele glauben.

Wir sind von Natur aus Sünder, weil wir, ohne dass es uns im eigentlichen
Sinn bewusst wird, tatsächlich nie wirklich nach Gott fragen, sondern das
tun, was wir selbst für richtig halten, und das trennt uns von Gott und führt zur Zielverfehlung des gesamten Lebens.

Selbst dann, wenn wir uns nach besten Kräften bemühen, nach Gottes Geboten zu leben, werden wir nicht perfekt, sondern bleiben Sünder.

Ohne Sünde wären wir nur dann, wenn unser freier Wille ständig mit dem
Willen Gottes identisch wäre und umgekehrt Gottes Wille unserem freien Willen
entsprechen würde. Gott und Mensch also ein Herz und eine Seele wären.

Martin Luther sprach vom unfreien Willen des Menschen.

"Dass mich meine Mutter in Sünden empfangen hat", bedeutet keinesfalls, dass Sexualität Sünde ist und die werdende Mutter hier "gesündigt" hat, wie das manchmal hingestellt wird.

"In Sünden empfangen" heißt, dass wir uns bei all unserem Tun immer im
Zustand des Sünders befinden, also auch meine Mutter (und mein Vater) von Natur aus Sünder sind und das sich gegen Gott stellende Menschheitserbe in
sich tragen, weshalb auch die Kinder nicht besser als die Eltern sein können.

Nun soll aber der Blick von uns und der Sünde weg, auf Jesus Christus gerichtet werden, wie es Paulus tat, nachdem ihm seine Unzulänglichkeit bewusst wurde:

Zuerst:

Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?
Römer 7, 24

Und dann:

So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das
Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
Römer 8, 1.2

Wer im Glauben in Christus ist und sein Heilswerk für sich gelten lässt, dem wird die Ursünde nicht mehr zugerechnet. Einen solchen Menschen sieht Gott wie seinen Sohn Jesus Christus an.

Wenn das keine frohmachende Perspektive ist?!


Jörgen Bauer