Der nahe und der ferne Gott!

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die
Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner
gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Psalm 8, Verse 4 und 5



Nach der Größe Gottes befragt sagte Martin Luther sinngemäß folgen-
des:

"Der Kosmos ist unvorstellbar groß, aber Gott ist noch größer. Ein Ele-
mentarteilchen ist unvorstellbar klein, aber Gott ist noch kleiner."

Damit ist gesagt, dass Gott in jeder Beziehung unvorstellbar und unbe-
greiflich ist und mit den uns geläufigen Maßeinheiten von Raum und
Zeit nicht beschrieben werden kann. ER steht völlig außerhalb unserer
Vorstellungskraft und über Raum und Zeit.

Auch deshalb sollen wir uns kein Bild von Gott machen, weil das immer
nur unvorstellbar falsch sein kann.

Wieviel Sandkörner passen wohl in einen Esslöffel? Ich könnte mir vorstel-
len, dass man da schnell an die Millionengrenze kommt. In wieviel sind da
erst in einem Eimer, einem Kubikmeter oder an allen Stränden der Welt-
meere?

Die Astronomie hat herausgefunden, dass es im Kosmos mehr Sterne gibt,
als Sandkörner an allen Stränden der Weltmeere. Bei dieser Vorstellung
kann einem schwindlich werden.

Obwohl die Zahl der Sterne so unvorstellbar groß ist, haben sie, aufgrund
der gewaltigen Abstände zueinander, trotzdem Seltenheitswert. Sie sind
deshalb so häufig, weil sich, infolge der unvorstellbaren Größe des Kosmos,
diese Seltenheiten so aufaddieren.

Im Mikrokosmos, im Bereich der Atome und Moleküle, ist es im Prinzip ganz
ähnlich. Unsere scheinbar so feste Materie besteht zu 99,9999% aus Nichts.
Die Starke und die schwache Wechselwirkung geben der Materie ihre schein-
bare Festigkeit. Erst in einem Neutronenstern ist die Materie so dicht gepackt,
dass ein Kubikzentimeter Materie leicht auf die Masse von Millionen Tonnen
kommt.

Wenn ein Apfel so groß wie der Erdball wäre, dann wäre im Vergleich dazu
ein Atom so groß wie ein Apfel. Und wenn ein Atom so groß wie der Erd-
ball wäre, dann hätte ein Quark im Vergleich dazu etwa die Größe eines
Baumes.

Weil das alles so unvorstellbar und der Mensch im Vergleich dazu so unbe-
deutend erscheint, haben manche Leute Probleme damit, an einen persön-
lichen Gott zu glauben. Der Mensch wird dann als ein "sinnloser Zufall" dar-
gestellt, der für den unvorstellbar gewaltigen Kosmos nicht die geringste
Bedeutung hat und den nichts und niemand vermissen würde, wenn er
plötzlich nicht mehr da wäre.

Der Mensch also völlig auf sich gestellt ist und deshalb selbst sehen muss,
wie er die Erde, als seine Heimat, erhält. Eine trostlose und auch vermessene
Einstellung, die nicht mit der Allmacht und Gegenwart Gottes, als dem Herrn
der Welt, rechnet.

Dabei wird auch übersehen, dass die Grundkräfte des Kosmos bis auf ein
Billionstel so aufeinander abgestimmt sind, dass dadurch genau unsere Exis-
tenz ermöglicht wird.

Für den notorisch Ungläubigen ist aber auch das nur ein grandioser Zufall.
Und da ist dann unser Universum nur eines von unendlich vielen, in dem die
Verhältnisse eben zufälligerweise gerade mal so sind, wie sie sind.

Man kann das aber auch anders sehen, als Wunder der Schöpfung wahrneh-
men und darüber zum Lob und zur Anbetung Gottes kommen. Der mit Geist,
Seele und Bewusstsein ausgestattete Mensch ist so gesehen viel größer als
das gewaltigste kosmische Gebilde, das sich seiner selbst nicht bewusst ist.

Und Gott ist so unvorstellbar allmächtiig, dass ER die Übersicht behält, nichts
übersieht und nichts vergisst, sondern jeden von uns kennt. So ist Gott gleich-
zeitig der Ferne und Unerreichbare und der Nahe, der uns umgibt und durch
das Gebet ansprechbar ist.

Einem solchen Gott können und dürfen wir vertrauen.


Jörgen Bauer