Können wir einmütig und einträchtig sein?

So macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines
Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid.

Philipper 2, Vers 2



Ich weiß nicht mehr wo genau ich das gelesen habe. Es ging darum,
dass man mit dem Geld, das man für die militärische Rüstung auf-
wendet, jedem ein Eigenheim hinstellen könnte. Nicht nur "Friedens-
freunde" sagen hier tatsächlich zu Recht, dass das Geld so besser
angelegt wäre.

Und es wird dann anklagend gefragt, warum man so unvernünftig
ist und das nicht tut, sondern Geld für die Rüstung verschwendet.

Angenommen es wäre tatsächlich möglich allen Menschen in der Welt
ein sorgloses Leben zu ermöglichen, wenn man auf die Ausgaben für
die Rüstung verzichtet; würde die Welt dadurch besser?

Nein, die Welt würde kein bisschen besser! Deshalb weil der Mensch
dabei der Alte bliebe. Der würde sich nämlich überhaupt nicht verän-
dern, weshalb es weiterhin Kampf und Streit gäbe.

Friede gibt es nur dann, wenn wirklich alle eines Sinnes, einmütig und
einträchtig sind. Und das ist reine Utopie.

Daran müssen auch Projekte wie eine "Welteinheitsreligion" scheitern,
von der sich manche eine bessere Welt versprechen, weil angeblich
alle Kriege ihre Ursachen in den Religionen haben, was allerdings in
allererster Linie für die Ideologien gilt!

Es sind nicht die Religionen, es ist die friedlose menschliche Natur,
die Streit und Kriege bewirkt. Und das fängt bereits im Kleinen an.

Es gibt keine Eintracht und Einmütigkeit. Immer wird es welche geben,
die, egal um was es geht, nicht einverstanden sind und es anders
machen wollen, und deshalb dürfen Ursache und Wirkung nicht ver-
wechselt werden, wie das bei einer vordergründigen Betrachtung leicht
geschieht.

Aber sind die Christen anders?

Wenn man die Zersplitterung der Christenheit und die vielen unter-
schiedlichen Auffassungen sieht, über die trefflich gestritten werden
kann, wird klar, dass die Christen kein bisschen besser sind.

Das war auch dem Paulus klar. Andernfalls hätte er die Gemeinde in
Philippi nicht dazu auffordern müssen eines Sinnes zu sein. Aber bringt
das überhaupt was?

Offensichtlich war Paulus der Meinung, dass das etwas bringt.

Es wird allerdings nie möglich sein, die weltweite Christenheit dahin zu
bringen, dass alle eines Sinnes sind. Verwirklichen lässt sich das in
dieser Welt allenfalls ansatzweise, für eine bestimmte Zeit in einer be-
stimmten Gruppe. Aber auch das ist schon was.

Einmütigkeit und absolute Harmonie wird es erst in der Ewigkeit geben.

Einigkeit und Einmütigkeit sind Früchte des Heiligen Geistes. Es ist et-
was um das man bitten muss. Nur der Geist Gottes kann uns dazu ver-
helfen, dass wir uns selbst zurücknehmen, demütig und bescheiden sind
und auf das hören, was uns Gott in Seinem Wort sagt.

Auch da wird es noch unterschiedliche Sichtweisen geben. Wichtig ist,
dass man sich gegenseitig in seinem Sosein annimmt, so wie Christus
uns angenommen hat und dass man akzeptiert, dass uns Gott alle in
unserer Unterschiedlichkeit gleichermaßen liebt.

Und es ist die Liebe auf die es letztlich ankommt. Weil Gott uns liebt,
können auch wir lieben. Die Liebe ist es, ohne die es keine wirkliche Ein-
mütigkeit und Eintracht geben kann. Ohne Liebe könnte es allenfalls zu
einer nur vordergründigen Eintracht kommen.

Wirkliche Einmütigkeit und Eintracht sind aber etwas, um das ständig
gerungen werden muss. Wir wollen Gott bitten, dass er uns dazu die
Kraft und Fülle seines Geistes schenkt.


Jörgen Bauer