Gott ist unser Tod nicht gleichgültig!

Der Tod seiner Heiligen wiegt schwer vor dem Herrn.

Psalm 116, Vers 15

(in anderen Übersetzungen heißt es anstelle von
"wiegt schwer", "ist wertgeachtet")



Ob Christenmensch oder nicht: Alle Menschen müssen sterben. Und doch
besteht da ein Unterschied.

Zunächst sind alle Menschen Geschöpfe Gottes, denen Gott allesamt das
Leben gegeben hat. Als Quelle und Freund des Lebens hat Gott deshalb
keinen Gefallen am Tod seiner Geschöpfe.

Deshalb bietet Gott allen Menschen in Jesus Christus das ewige Leben an.

Auch wenn wir dieses Angebot angenommen und damit die Verheißung der
Auferstehung und des ewigen Lebens haben, bleibt unser Leib trotzdem ein
Teil der vergehenden Welt, und Fleisch und Blut können des Reich Gottes
nicht ererben, heißt es dazu im Neuen Testament.

Unser Leib bleibt Teil der gefallenen Schöpfung, die von Gott getrennt ist,
woran sich auch dadurch nichts ändert, wenn wir als Christen wiedergebo-
ren sind und der Tod somit keine Macht mehr über uns hat.

Beim Sterben eines Christenmenschen sprechen wir deshalb von "Heimgang",
vom "Abberufen worden sein" usw. Spurgeon hat den heutigen Vers so kom-
mentiert:

...weil der HERR das Leben der ihm treu Ergebenen teuer achtet und sie
oft erhält, wenn andere umkommen. Sie sollen nicht vorzeitig sterben; sie
sind unsterblich, bis ihr Werk getan ist, und wenn ihr Stündlein schlägt,
dann wird ihr Tod kostbar sein. Der HERR wacht über ihrem Sterbebette, glättet ihnen die Kissen, hält ihre Herzen aufrecht und nimmt ihre Seele zu sich. Die mit dem kostbaren Blute Erkauften sind Gott so teuer, dass selbst
ihr Tod vor ihm wert geachtet ist. Die Sterbebetten der Heiligen sind auch
für die Gemeine des HERRN äußerst kostbar, sie lernt oft viel von ihnen; sie sind allen Gläubigen viel wert, die so gerne die letzten Worte der Hingeschiedenen als kostbaren Schatz sammeln; aber am kostbarsten sind
sie dem HERRN selber, der den triumphierenden Heimgang seiner Begnadigten mit heiliger Wonne beschaut. Haben wir im Lande der Lebendigen vor seinem Angesicht gewandelt (V. 9), so brauchen wir uns nicht zu fürchten, vor seinem Angesicht zu sterben, wenn die Stunde unseres Abscheidens vorhanden ist.

Soweit Spurgeon.

Aber wie ist das nun mit den Weltmenschen? Wird deren Leben von Gott
nicht wertgeachtet?

Ich denke schon.

Denn das von Gott geschenkte irdische Leben ist einmalig und kostbar.
Keiner hat sich das Leben selbst gegeben, und deshalb gilt es sowohl mit
dem eigenen Leben als auch dem der Anderen verantwortlich umzugehen
und uns nicht zu Herren über das Leben aufzuschwingen, wie das vielfach versucht wird und auch geschieht.

Gott nimmt auch das Leben der Weltmenschen sehr ernst, weil es die von
Gott geschenkte Gnadenzeit ist, innerhalb derer noch Umkehr zu Gott und Annahme des in Christus angebotenen Heils möglich ist.

Wenn Gott der Gnadenzeit hier ein Ende setzt ist das nicht mit einem Heimgang gleichzusetzen. Der Tod eines solchen Menschen dürfte bei Gott
kein Grund zur Freude sein. Im Tod sind eben nicht alle gleich!

Deshalb sind entsprechende Todesanzeigen und Predigten bei Beerdigungen
wonach jeder Getaufte automatisch in den Himmel kommt, mit Vorsicht zu
genießen.


Jörgen Bauer