Warum schämen wir uns?

Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes,
die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die
Griechen.

Römer 1, Vers 16


Wir schämen uns, wenn wir einer Lüge oder eines falschen Tuns überführt
oder dabei ertappt werden. Schämen hat etwas mit Bloßstellen, blamieren,
sich lächerlich machen zu tun. Wir können uns blamieren, wenn wir vollmundige
Aussagen machen, die sich dann als heiße Luft erweisen.

Manch einer hätte schon vor Scham "in den Boden versinken können".

Ist sich schämen nur eine menschliche Emotion? Einem unserer Dackel hatte
ich einmal ein Stückchen Wurst heruntergereicht, nach dem er so gierig
schnappte, dass er mir fast in den Finger gebissen hätte. Und das war, wie ihm
deutlich anzumerken war, äußerst peinlich. Ich habe ihm dann zur Versöhnung
nochmal ein Stückchen Wurst gereicht, das er dann mit äußerster Behutsamkeit engegennahm.

Aber warum sollte man sich des Evangeliums schämen? Das ist für mich
gut vorstellbar. Wenn man sich in einer gottlosen Umgebung als Christ zu
erkennen gibt oder als solcher geoutet wird, kann es sein, mit Hohn und
Spott überhäuft und der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. Eine
Methode, die in der DDR gegenüber christlichen Schülern praktiziert wurde.

Man verschlimmert die Sache, wenn man sich einschüchtern lässt, indem man
verlegen wird und sich still zurückzieht. Richtig wäre es, sich in einem solchen
Fall ganz bewusst zu seinem Christsein zu bekennen, etwas, womit die Spötter
nicht rechnen, denen dann die Argumente ausgehen.

Meine Mutter lehrte mich hier: "Lass sie spotten, lass sich lachen, Gott, mein
Heil, wird sie zu Schanden machen!"

Gibt es auch ein Fremdschämen? Man kann sich z.B. für seine Kinder
schämen, die man ständig als musterhaft dargestellt hat, wenn sich diese trotzdem daneben benehmen. Gleiches könnte auch für eine als ideal
hingestellte Gruppierung gelten, der man angehört, die sich dann aber unmöglich verhält.

Die beste Aussage über "Fremdschämen" stammt meines Erachtens von dem Philosophen Arthur Schopenhauer, an die ich in letzter Zeit immer wieder
denken muss:

"Ich lege hier für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, dass ich die deutsche Nation, wegen ihrer überschwänglichen Dummheit verachte und
mich schäme, ihr anzugehören."

Bitten wir Gott auch hier um Weisheit und Verstand, dass wir davor bewahrt
bleiben uns zu schämen und auch nicht fremdschämen müssen.

Jörgen Bauer