Der krasse Widerspruch in der Karwoche!

Sie nahmen Palmenzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen:
Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, den
König von Israel!

Johannes 12, Vers 13

Aber sie setzten ihm zu mit großem Geschrei und forderten, dass er
gekreuzigt würde. Und das Geschrei nahm überhand.

Lukas 23, Vers 23


Heute Hosianna und Morgen kreuzige ihn! Dieser schroffe Gegensatz
macht mich seit jeher nachdenklich!

Aber so ist es, denn das ist eine allgemeine Lebenserfahrung, die sich
ständig wiederholt.

Egal ob Präsident im politischen Bereich oder im Firmen- und Vereinsleben,
egal ob Olympiasieger, Fußballtrainer oder talentierter Künstler und
prämierter Entdecker oder Konstrukteur: Zuerst gibt es Vorschusslorbeeren und bei Erfolg lobende Jubelberichte, Auszeichnungen und diverse Ehrungen.

Aber wehe, wenn der oder die so Bejubelte die Fangemeinde durch einen
Fehler oder ein Versagen enttäuscht. Dann wendet sich das Blatt sehr
schnell. Zuerst verhalten und immer noch wohlwollend kritisch, aber dann
werden die Dreckkübel ausgegossen. Denn die Masse hat sich mit dem
Idol identifiziert, wobei dessen Versagen als persönliche Niederlage
empfunden und entsprechend reagiert wird.

Aber auch uns Normalos, dir und mir, ergeht es ganz genauso. Da hat
einer jahrzehntelang gut und zuverlässig gearbeitet oder seinen Dienst
verrichtet, und dann geht ein Schuss daneben, und der oder die Betreffende
braucht sich über seine/ihre berufliche Zukunft keine Sorgen mehr zu machen,
einfach deshalb, weil es keine mehr gibt.

Aber oft reicht es schon aus, einfach wegrationalisiert zu werden.

So ist Jesus Christus uns Menschen auch in diesem Punkt gleich geworden
und hat auch in dieser Hinsicht ein Herz und Verständnis für uns.

Ich glaube, dass bei Verabschiedungen und Trauerreden am meisten
geheuchelt wird, wenn von "Ehrendem Andenken", einem "Unvergessenbleiben"
usw. die Rede ist. Ganz abgesehen davon, dass immer nur "herzensgute
Menschen" sterben, wonach die Welt eigentlich ein Paradies sein müsste,
wenn alle "herzensgut" sind.

Als Christen sollen wir auch hier Realisten bleiben. Wir dürfen und sollen
uns auch über Erfolge freuen, die andere hatten ohne die Erfolgreichen
aber zu vergöttern. Wir sollen im Falle von Misserfolgen auch zu denen
stehen, die Pech hatten, weil nur das wahre Freundschaft und Liebe ist.

Persönlich bitten wir Gott um Bewahrung und Gelingen und danken IHM,
wenn ER uns beides geschenkt hat, und wenn ER uns dazu in einer
misslichen Lage bewahrt und hindurchgeholfen hat. Wir wissen, dass alles
nur aus Seiner Hand kommt.

Jörgen Bauer