Organspende ein Werk der Nächstenliebe?

Denn ich bezeuge euch, ihr hättet, wenn es möglich gewesen wäre, eure Augen ausgerissen und mir gegeben.

Galater 4, Vers 15



Wegen vermuteter Missbrauchsfälle - die vermutlich nur die Spitze eines Eisberges sein dürften -war die Organspende ins Gerede gekommen,
weshalb die Zahl der Spender, nach wie vor nicht ausreicht, um allen, die ein Spenderorgan benötigen, zu helfen.

Eigentlich sollten Missbrauchsfälle niemanden verwundern. Dies einfach deshalb, weil das der gefallenen Natur des Menschen entspricht. Es gibt keine, auch mit den besten und lautersten Absichten gemachte Erfindung oder Entdeckung, die nicht früher oder missbraucht wird.

Es scheint immer jede Menge Leute zu geben, die jede neue Erfindung sofort dahingehend prüfen, wie man sie am besten für kriminelle Zwecke missbrauchen kann. Deshalb auch Computerviren und Tricksereien an
Bankautomaten.

Kein Leistungsgesetz, das nicht sofort Trittbrettfahrer auf den Plan ruft, die abchecken ob sie die Merkmale erfüllen, die zum Leistungsbezug notwendig sind, um gegebenenfalls ein bisschen "nachzuhelfen".

Und wenn wir ehrlich gegen uns selbst sind: Haben wir manchmal nicht auch
schon ein "ganz kleines bisschen nachgeholfen" oder etwas "zweckentfremdet!?

Wer einen Beweis für die Richtigkeit des für uns wenig schmeichelhafen biblischen Menschenbildes benötigt, findet im Alltag mehr als genügend
Anschauungsmaterial.

Von daher kann man die "Bedenkensträger" verstehen, die bei Neuerungen sofort alle möglichen Gefahren wittern. Nur führt auch das zu nichts, weil wir mit Gefahren und Missbräuchen leben müssen und zudem auch "Bedenkensträger" nicht immer selbstlos sind.

Es ist traurig, dass es so ist und gleichzeitig bewundernswert, wieviel Geduld
Gott mit uns hat, zumal wir Menschen auch seine gut gemeinte Schöpfung und seine Geschöpfe, die Menschen eingeschlossen, ständig missbrauchen.

Aber nun zur Organspende. Was Paulus hier bildhaft anspricht, wäre eine
"Lebendspende", gegen die nichts zu sagen ist.

Eigentlich finde ich es missbräuchlich und menschenverachtend, wenn im
Mitmenschen ein Ersatzteillager gesehen wird, wobei man so tut, als ob ein
Anspruch auf diese Art von Esatzteilen besteht.

Folgendes muss aber bedacht werden:

Man kann einem Toten keine Organe entnehmen. Das geht nur, solange der
Organspender noch lebt. Um diesen ausweiden zu können, wurde der
Begriff des "Hirntods" erfunden. Dem liegt die Vorstellung, Hirn ist gleich Bewusstsein, zugrunde. Und eben das ist sehr fragwürdig.

Ich möchte hier auf das Buch des Arztes Pim van Lommel

„Endloses Bewusstsein – neue medizinische Fakten
zur Nahtoderfahrung“, Patmos Verlag – ISBN 978-3-8436-0013-2

hinweisen, der sich, über Jahre hinweg, mit wissenschaftlicher Akribie, eingehend mit diesen Dingen befasst hat und Fälle schildert wo klinisch Tote, Hirntote!!, Wachkomapatienten, während dieser Zustände bei vollem Bewusstsein waren und miterlebten, was um sie herum geschah.

Eine Patientin erlebte mit, wir ihr Ehemann bezüglich einer "Organentahme bei seiner verstorbenen Ehefrau" befragt wurde, was dieser glücklicherweise ablehnte.

Die "toten Patienten" konnten davon berichten, weil sie überraschend ins
normale Leben zurückkehrten, wobei die zutreffenden Schilderungen die Ärzte in höchstes Erstaunen versetzten.

Mitzuerleben, wie man als hirntoter Organspender ausgenommen wird, muss die Hölle sein.

Deswegen stellt sich die Frage, wie weit die Nächstenliebe gehen kann.

Und noch etwas ist belegt: Organempfänger hatten plötzlich den Eindruck,
nicht mehr allein in ihrem Körper zu sein. Manche entwickelten plötzlich
Charakterzüge und Vorlieben des Spenders. Ein Mädchen, das Organe eines
anderen ermordeten Mädchen bekam, kam in die Lage, den Tathergang
sowie den Täter genau zu beschreiben, der daraufhin dingfest gemacht
werden konnte.

Nachdem mir einmal jemand sagte, dass ich, als Organspender nicht
wirklich tot bin, sondern in meinem gespendeten Organ weiterlebe,
habe ich eine Erklärung bei mir, wonach ich zu einer Organspende nicht
bereit bin.


Jörgen Bauer