Wächst da noch was?

Wächst da noch was?

Das bekannte Gleichnis vom Sämann wird in manchen Übersetzungen auch mit "das vierfache Ackerfeld" überschrieben.
Die Auslegung ist nicht sehr umstritten, denn diese Aufgabe nimmt uns Jesus ein paar Verse weiter selbst ab: Gottes Wort wird von vielen gehört, aber bei den Meisten wird es schnell weggenommen, entfacht nur ein Strohfeuer, oder wird von Sorgen erstickt.
Nur ein Viertel der Saat geht überhaupt auf. Ist das nicht deprimierend? Da müht sich der Sämann ab, verstreut so viel Saatgut und drei Viertel gehen einfach verloren. Wie frustrierend und entmutigend. Eine Situation, die viele von uns kennen. Lohnt sich da die Aussaat überhaupt? Ist die Energie richtig eingesetzt? Sollten wir uns da nicht lieber ausschließlich auf bestimmte Zielgruppen fokussieren um nicht wertvolles Saatgut zu vergeuden?
Es scheint nicht nur klüger, sondern sogar verantwortungsvoller zuerst ausführlich abzuwägen, dann nur spärlich zu säen und überhaupt erst einmal abzuwarten.

Aber wird diese Interpretation dem Text gerecht? Schauen wir uns Vers 3 noch einmal an: Es ging ein Sämann aus, um zu säen.
Es gibt alte Zeichnungen, wie dieser Sämann den Samen auf einen Acker wirft, welcher hübsch in vier gleich große Vierecke eingeteilt ist: Weg, Felsen, Distel und Acker.
Ich bin zwar in der Stadt aufgewachsen, aber ich bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass diese Darstellung absolut absurd ist. Wenn ein Bauer säen geht, dann tut er das natürlich auf einem Acker. Hier ist der Boden fruchtbar und vorbereitet!
Und nun fängt er an, mit vollen Händen die Samen in alle Richtungen zu werfen, so dass sie überall reichlich verteilt werden. Und gerade deshalb, eben weil er so verschwenderisch mit den Samen umgeht, geschieht es, dass sie auch auf unfruchtbaren Boden fallen. Aber der Großteil fällt selbstverständlich auf den Acker, gedeiht und bringt zigfach Frucht.

Unser Gleichnis ist kein Bild der Vergeblichkeit, sondern der Vervielfältigung! Wir sind nicht dazu verdammt immer wieder und wieder erfolglos Gottes Wort weiterzugeben. Im Gegenteil, Gottes Wort kommt nicht leer zurück!
Die Ernte ist groß! Meine Aufgabe ist es nicht, mir Sorgen zu machen oder abzuwägen, ob sich die Verbreitung von Gottes Liebe und Worten überhaupt lohnt.
Stattdessen soll ich sie mit vollen Händen in alle Richtungen weitergeben. Wir dürfen auf Gottes Acker mitwirken und gespannt und freudig zusehen und erleben, wie die Saat aufgeht und weitere Frucht bringt. Einige dreißigfach, einige sechzigfach und einige hundertfach!


Ihr
Jan Edler
für das Evangeliumsnetz e.V.