Sorgen tragen oder Sorgen abgeben?

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In unserer Zeit gehört Angst oder Sorgen für viele Menschen zum alltäglichen Erleben. Sie äußert sich in verschiedenen Dimensionen: Angst vor Krankheit, Angst vor beruflichem Versagen oder Arbeitslosigkeit, Sorge um den eigenen Wohlstand und die Zukunft der Kinder, Furcht vor sozialer Bewertung oder sozialem Abstieg. Diese vielfältigen Ängste sind nicht nur individuelle Gefühle, sondern ein gesellschaftliches Phänomen, dessen Ausmaß sich statistisch abbilden lässt.

Angststörungen sind in Deutschland weit verbreitet. Jährlich sind etwa 15% der Erwachsenen (fast 10 Millionen Menschen) betroffen. Besonders auffällig ist die Sorge vor psychischen Krankheiten, die bei über einem Drittel der Bevölkerung besteht – unter den 14- bis 29-Jährigen sind sogar mehr als 54% betroffen. Angst ist somit ein zentrales Thema mitten in unserer Gesellschaft.

Doch in welcher Weise unterscheidet sich Sorge im biblischen und theologischen Sinn von dem, was wir heute als Angst erleben?

Doch wenn wir uns Bibelstellen, wie z.B. 1.Petrus 5, 7 mit „Und werft in Demut alle eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft.“ ansehen, dann muss man „Sorge“ nicht grundsätzlich als etwas Negatives sehen. Sondern als etwas, das auf Gott bezogen sein soll – und nicht auf unser eigenes, begrenztes Können.

Moderne Sorgen drehen sich oft im Kreis, ohne zu Lösungen zu führen. Diese Form der Angst lähmt: Aus Angst vor Fehlern werden Entscheidungen aufgeschoben und Risiken komplett gemieden, was letztlich die eigene Freiheit und Lebensqualität einschränkt.

Doch es gibt auch eine andere Bewegung: Verantwortung tragen. Verantwortung bedeutet, sich einer Situation bewusst zu stellen, sie zu prüfen, Verantwortung für Menschen zu übernehmen (z.B. in Beruf und Familie) und tätig zu werden – auch wenn dabei Risiken bestehen. Diese Verantwortung schließt Sorge nicht aus. Sie unterscheidet sich aber von dem ungerichteten Grübeln einer lähmenden Angst.

Wer krampfhaft versucht, alles allein zu kontrollieren und jedes Problem selbst zu lösen, macht sich nur unnötig Stress und verliert seinen inneren Frieden.

Das heißt, Verantwortung zu übernehmen ist gut und notwendig – doch wenn sie aus einem inneren Zwang der Angst und nicht aus einem friedvollen Vertrauen heraus geschieht, wird sie zur Quelle neuer Unruhe.

Psychologisch gesehen schränkt Angst das Denken und Handeln massiv ein und verursacht körperlichen Stress. Dieser Zustand wird oft gezielt ausgenutzt von Unternehmen, Politiker und Medien. Man wird aus Angst vor einer Sache, hin zur Angst vor einer anderen getrieben. Diese Manipulationsformen nehmen der Angst ihren orientierenden und natürlichen Charakter und verwandeln sie in ein Instrument, das Kontrolle über Menschen ausübt.

Eine Lösung kann das Gebet und Flehen, verbunden mit Dank sein. Wenn man Sorgen abgibt, statt sie selbst tragen zu müssen – dann wirkt es dem entgegen, was Menschen zur ständigen Furcht und in Abhängigkeit treiben will. Das sind keine magischen Rezepte gegen Angstgefühle. Es geht vielmehr um eine Richtung und Haltung des Herzens: nicht in uns selbst vergraben zu sein, sondern sich in seinem Ernst an Gott zu wenden und in seine Hände zu legen. Das ist keine billige Flucht aus der Realität, sondern ein Weg, Verantwortung und Vertrauen zu balancieren. Erst wenn man einen Ausweg aus der Angst sieht, ist man wieder frei zu denken, zu planen und in Gottes Sinne zu handeln.

Gebet bedeutet, anerkennen der eigenen Begrenzung. Aussprechen dessen, was uns bewegt und belastet. Und das eigene Leben in Gottes Hände legen. Dank im Gebet ist kein Schönreden der Realität, sondern das Bewusstsein dafür, dass trotz Angst nicht alles verloren ist. Weil Gott mitgeht, er hört Gebete und trägt, was wir nicht tragen können.

Echter Trost ist nicht das Versprechen, niemals Angst zu fühlen. Billiger Trost wäre ein bloßes Aufmuntern ohne Bezug auf die Wirklichkeit der Angst. Echter trostreicher Glaube sieht die Angst, nimmt sie ernst – und richtet sie neu aus: nicht als Urteil über unsere Schwäche, sondern als Einladung, sie Gott anzuvertrauen.

Wenn wir lernen, unsere Sorge im Gebet zu Gott zu werfen, dann entdecken wir, was im modernen Leben so vielen Menschen verloren geht: inneren Frieden, der nicht von äußeren Umständen abhängt. Dieser Frieden ist kein Versprechen eines sorgenfreien Lebens, sondern die Überzeugung, dass unser Leben – mit Angst und Verantwortung – in Gottes Treue geborgen bleibt.

Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Peter


Und werft in Demut alle eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft.

1.Petrus 5, 7