Es gibt für zwei Arten, die Welt zu sehen. Sie unterscheiden sich nicht in Intelligenz, Bildung oder Lebenserfahrung. Der Unterschied liegt tiefer. Es ist die Frage, worauf ein Mensch sein Leben aufgebaut hat. Paulus bringt diesen Unterschied mit einem Satz auf den Punkt: „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft“ (1.Korinther 1,18).
Diese alten Formulierungen müssen für heutige Ohren erklärt werden. Mit „verloren werden“ meint Paulus nicht Menschen, die Gott aufgegeben hätte. Er beschreibt Menschen, die die Botschaft von Jesus Christus nicht erkennen und deshalb das Kreuz für bedeutungslos halten und ablehnen. „Selig werden“ bedeutet nicht, besonders fromm oder moralisch besser zu sein. Es heißt ganz einfach, von Gott gerettet werden, weil man Jesus Christus vertraut. Damit beschreibt Paulus zwei Welten.
Die erste Welt ist uns vertraut. Hier zählt, was sichtbar ist. Erfolg und Besitz sind wichtiger als Charakter. Sicherheit und gefühlte Lebensrealitäten scheinen wichtiger als Wahrheit. Man sorgt sich um den nächsten Karriereschritt, um Geld, Gesundheit, Ansehen oder darum, was andere denken. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Jeder Mensch kennt diese Fragen. Problematisch wird es, wenn sie zum Mittelpunkt des Lebens werden und damit nicht den richtigen Stellenwert im Leben bekommen. Dann kreisen die Gedanken fast nur noch um die eigene Existenz, die eigenen Gefühle, die eigenen Ängste und die der Menschen, die man liebt. Wer so lebt, bewertet alles nach seinem konkreten irdischen Nutzen. Immer mit der Frage nach dem, was es mir bringt.
Genau, weil das die weit verbreitete Lebenseinstellung der Menschen ist, verstehen viele die Botschaft vom Kreuz nicht und halten sie für eine Dummheit. Was soll an einem Mann, der hingerichtet wurde, Hoffnung geben? Wo ist dort Stärke? Wo ist der Erfolg? Und wo ist das alles, was in dieser Welt zählt? – Diese Fragen stellt sich ein weltlich geprägter Mensch.
Die zweite Welt beginnt an einem Ort, den kaum jemand freiwillig aufsuchen würde: unter dem Kreuz Jesu Christi. Martin Luther schrieb dazu: „Das ist die höchste Weisheit, an der schwachen Gestalt des gekreuzigten Christus zu hangen.“ Das klingt zunächst widersprüchlich. Warum sollte ausgerechnet ein gekreuzigter Mensch Gottes Weisheit zeigen? – Weil das Kreuz offenlegt, wie Gott wirklich ist.
Genau darin liegt das Entscheidende. Der geistliche Mensch besitzt keinen schärferen Verstand als andere. Er hat auch keine höhere Moral oder weniger Probleme. Sein Blick auf die Wirklichkeit hat sich verändert, weil er Christus kennengelernt hat. Was ihm früher bedeutungslos erschien, erkennt er nun als Gottes Handeln. Deshalb bewertet er auch Erfolg, Leid, Sicherheit und Zukunft anders.
Am Kreuz begegnet uns ein Gott, der sich den Menschen zuwendet. Einer, der Schuld trägt, statt sie einfach zurückzugeben. Einer, der lieber selbst leidet, als den Menschen aufzugeben. Das ist ein ganz anderes Werteverständnis, als das, was wir oft an lauten Stimmen um uns hören.
Gottes Haltung zu uns Menschen verändert den Blick auf alles andere. Deshalb schaut der geistliche Mensch anders auf sein Leben. Er fragt: Wie kann ich Gott vertrauen, selbst wenn ich mein Leben nicht vollständig absichern kann?
Das ist ein bedeutender Unterschied. Es sind zwei völlig verschiedene Blickrichtungen. Wer nur diese Welt kennt, muss seine Hoffnung an Dinge binden, die jederzeit wegbrechen können. Gesundheit kann verloren gehen. Geld verschwindet schneller, als man denkt. Beziehungen zerbrechen. Berufe verändern sich. Auch Nationen, Völker und Kulturen sind vergänglich und können untergehen. Selbst der stärkste Mensch kann das alles nicht kontrollieren. Deshalb wächst mit jeder Unsicherheit, mit jeder Krise auch die Angst.
Aber der geistliche Mensch ist nicht auf diese Welt angewiesen, auch wenn er darin lebt. Sein Fundament und seine Zukunft liegt außerhalb dessen, was er verlieren kann. Er glaubt, dass Gott ihn durch Jesus angenommen hat. Nicht wegen seiner Leistung, sondern aus Gnade. Gerade deshalb muss er nicht mehr jeden Tag beweisen, dass sein Leben gelungen ist. Er muss nicht ständig darum kämpfen, vermeintliche Sicherheit zu schaffen.
Das Kreuz wird dadurch zu einer Art Prüfstein. Es deckt auf, in welcher Welt wir innerlich leben und was unser Denken bestimmt. Suche ich einen Gott, der meine Pläne, meine Einstellungen und mein Denken bestätigt? Oder suche ich den Gott, der mich verändert?
Vielen Dank fürs Lesen!
Dein Peter
Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft.
1.Korinther 1, 18







