Wenn die Rechnung offen bleibt

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Bildhinweis: KI-generiertes Bild – keine reale Aufnahme.

Ein Kredit kann etwas Gutes sein, um eine hohe Rechnung zu bezahlen. Damit wird die eigene Wohnung, ein Auto oder eine größere Anschaffung ermöglicht. Eine Anschaffung, die die Verteuerung durch die Zinsen rechtfertigt. Problematisch wird es, wenn die Raten plötzlich nicht mehr zum Einkommen passen. Dann ist da nicht einfach nur eine Zahl auf dem Konto. Schulden ziehen ins Leben ein.

Der Briefkasten wird unangenehm. Das Handy klingelt, und man möchte lieber nicht rangehen. Im Kopf laufen Rechnungen: Was muss zuerst bezahlt werden? Was kann noch warten? Und was passiert, wenn das Geld wieder nicht reicht?

Finanzielle Schulden können erheblichen Stress verursachen. Studien bringen problematische Verschuldung unter anderem mit psychischen Belastungen und gesundheitlichen Problemen in Verbindung. Auch Beziehungen leiden. Geldsorgen können Konflikte verstärken, Scham erzeugen und dazu führen, dass Menschen ihre Situation verheimlichen oder sich zurückziehen und weniger selbstbewusst sind. Das macht Schulden so belastend: Da ist eine offene Forderung.

Interessanterweise benutzen wir dasselbe Wort auch außerhalb unserer Finanzen. Wir sprechen von Schuld. Auch dort kann etwas offenbleiben.

Wir sind einem Menschen die Wahrheit schuldig geblieben. Treue. Respekt. Eine Entschuldigung. Vielleicht haben wir Vertrauen zerstört oder jemanden verletzt. Manche Dinge können wir wiedergutmachen. Andere nicht. Ein überwiesener Geldbetrag gleicht eine Rechnung aus. Aber wie zahlt man zerstörtes Vertrauen zurück? Wie nimmt man einen Satz zurück, der längst ausgesprochen wurde? Schuld ist deshalb mehr als ein unangenehmes Gefühl. Sie betrifft unsere Beziehung zu anderen Menschen, unser Verhältnis zu uns selbst und schließlich auch unsere Beziehung zu Gott.

Für diese Situation wählt Paulus ein Bild aus der Welt der Schulden, um der Gemeinde in Kolossä eine wichtige Wahrheit zu erklären. Den Christen dort wurde eingeredet, Glaube an Christus reiche nicht – man müsse noch Regeln und religiöse Leistungen drauflegen. Paulus widerspricht frontal: „Denn in Christus allein wohnt die ganze Fülle des Göttlichen“ (Kolosser 2, 9). Deshalb muss dem, was Christus getan hat, nichts hinzugefügt werden.

Liest man weiter, erklärt Paulus genau das: Gott hat Menschen, die durch ihre Verfehlungen geistlich tot waren, mit Christus lebendig gemacht. Um das greifbar zu machen, benutzt er ein Bild, das damals jeder sofort verstand: eine Schuldverpflichtung. In der Antike war das bittere Realität. Wer seine Verpflichtungen nicht begleichen konnte, riskierte, samt Familie in die Schuldknechtschaft oder Sklaverei verkauft zu werden.

Gott nimmt Schuld ausgesprochen ernst und erklärt die Rechnung auch nicht für bedeutungslos. Da steht tatsächlich etwas aus. Der Mensch ist Gott und seinen Mitmenschen Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit schuldig geblieben.

Paulus schreibt, Gott habe diesen Schuldbrief „getilgt“. Paulus benutzt dafür das Wort für auslöschen oder wegwischen. Die offene Forderung wird nicht gestundet. Gott vereinbart keine bequemeren Raten. Er beseitigt den Schuldbrief.

Und Paulus setzt noch einen drauf: Gott hat ihn „ans Kreuz geheftet“. Das Kreuz bekommt damit eine völlig neue Perspektive. Dort zeigt sich, wie ernst Gott die Schuld nimmt. So ernst, dass Blut fließt. Aber dort geschieht zugleich etwas mit dieser Schuld: Christus trägt sie.

Martin Luther formuliert diesen Gedanken beinahe provozierend: „Hat Christus meine Sünde, so habe ich sie ja nimmer, weil er sie hat.“ Doch das bedeutet nicht: Was ich getan habe, ist ungeschehen. Es bedeutet auch nicht, dass ich die Verantwortung nicht übernehmen muss.

Kennst du das? Du weißt vom Kopf her um Gottes Gnade, denkst aber im Herzen: Ausgerechnet für mich reicht sie nicht. Gefühl und Wahrheit klaffen oft auseinander. Vergebung nimmt uns nicht aus der Pflicht. Bitte um Verzeihung, wo du Menschen verletzt hast. Mach gut, was wiedergutzumachen ist, und nimm dir Hilfe, wenn die Last zu schwer wird. Doch bezahle bei Gott nicht mit Selbstvorwürfen ab, was am Kreuz längst erledigt wurde. Deine Schuld war real und bitter – aber sie übersteigt niemals Gottes Liebe.

Gleich am Anfang von Kolosser 2 taucht die grundsätzliche Frage auf: Worauf gründet sich unser Glaube? Auf unsere gefühlte Realität oder auf das, was Gott getan hat? Gefühle können überzeugende Scheinrealitäten vorgaukeln. Aber ob deine Gefühle mitspielen oder nicht, der Schuldbrief ist getilgt. Gott fordert eine teuer bezahlte Rechnung kein zweites Mal ein.

Dein Peter


Er hat den Schuldschein, der mit seinen Forderungen gegen uns gerichtet war, für ungültig erklärt. Er hat ihn ans Kreuz genagelt und damit für immer beseitigt.

Kolosser 2, 14