Perlen nicht vor die Säue werfen!

Wer den Spötter belehrt, der trägt Schande davon, und wer den Gottlosen zurechtweist, holt sich Schmach.

Sprüche 9, Vers 7



Diesem Vers wohnt eine Spannung inne. Zum einen sind wir zu einem furchtlosen Bekennen aufgefordert, weil es Gottes Wille ist, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, und zum anderen wird uns hier Zurückhaltung empfohlen.

Ja, wie nun? Sollte die Bibel tatsächlich Widersprüche enthalten, wie oft behauptet wird?

Für mich wäre eine solche Erklärung allerdings viel zu einfach und zu vordergründig. Ich sehe hier etwas ganz anderes:

Die Bibel ist eben gerade kein Buch, das auf simple Weise vereinfacht, wie manche meinen, sondern Gottes Wort, das sich an der Realität der gefallenen Schöpfung orientiert und damit das Sowohl als Auch kennt. Kurzum: Das Handeln zu rechten Zeit am richtigen Ort.

So wird im Buch der Sprüche, Kapitel 9, zur Weisheit eingeladen und gleichzeitig eine Grenze zur Torheit gezogen. In Vers 8 wird zwischen dem Spötter und dem Weisen differenziert, in dem es heißt: Rüge nicht den Spötter, dass er dich nicht hasse; rüge den Weisen, der wird dich lieben.

Jesus vertieft das in seiner Aussage in Matthäus 7, Vers 6:

Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.

In der Wuppertaler Studienbibel wird das so kommentiert:

Jesus meint damit, dass bei manchen Menschen ein solcher Zustand der Unempfänglichkeit gegenüber allem Göttlichen eingetreten sein kann, dass ein solches Herz so beziehungslos zum Evangelium steht wie das Schwein zur Perle und der Hund zum Heiligtum.

Diese Beziehungslosigkeit braucht nicht nur bei lasterhaften Menschen vorhanden zu sein, sondern findet sich auch bei sogenannten feingebildeten Menschen.

Das Schweigen und Zurückhalten der heiligen Botschaft des Evangeliums solchen Menschen gegenüber ist keine Feigheit oder mangelnder Eifer für den Herrn oder versäumte Bekenntnispflicht.

Es gibt Stunden, wo man einfach schweigen muss! Auch Jesus schwieg vor dem Hohenpriester und antwortete zunächst nichts und sprach auch nichts zu den Kriegsknechten, die ihn verhöhnten, anspieen und schlugen und gab ebenso zuletzt dem Pilatus keine Antwort mehr, weil hier alles Reden umsonst war und einem „Perlen vor die Säue werfen“, gleichgekommen wäre.

Wenn wir erleben müssen, wie unser Berichten von dem, was unser Heiligstes und Köstlichstes ist und was uns so reich und glücklich gemacht hat, bei dem andern nicht das geringste Verständnis findet, sondern uns nur Verachtung und Verhöhnung einbringt, dann zeigt uns Jesus in unsere Trauer und Ohnmacht hinein die einzig wahre und wirkliche Quelle der Kraft und des Trostes. Es ist das Gebet.

Wir müssen also im Dienst für das Evangelium nichts Unmögliches zu vollbringen versuchen. Es gibt eine Grenze, bei der wir ruhigen Gewissens aufhören sollen und sogar aufhören müssen.

Wir können zwar für Menschen beten; dafür, wie sie sich persönlich entscheiden, sind wir nicht verantwortlich.

Das ist gut und tröstlich zu wissen.


Jörgen Bauer