Aufgefahren gen' Himmel!

Nun aber hat er ein höheres Amt empfangen, wie er ja auch der Mittler eines
besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist.

Hebräer 8, Vers 6



Und was fangen wir heute an, mit dem freien Tag? Schwer zu sagen,
nachdem infolge Corona diesmal alles ganz anders ist.

Also kein Vatertag mit "Neufestsetzung des Eichmaßes", kein Familienfest mit Grillparty, Familienausflug? (Beim "Eichmaß" geht es um einen sarkastischen Vergleich, hinsichtlich der Festsetzung der jeweils verträglichen Alkoholmenge. Das war zwar noch nie mein Fall, aber ich bin da tolerant - sofern das nicht zur
Gewohnheit wird.)

Meine Frau und gingen an Himmelfahrt gewöhnlich mit dem Dackelclub zu einer kleinen Wanderung mit anschließendem Grillen an einer Hütte im grünen Waldrevier. Der Dackelclub besteht zum großen Teil aus Jägern und Förstern, die sich in der Natur gut auskennen und manches was von selbsternannten
Natürschützern kommt, sehr kritisch sehen, beim Grillen im grünen Waldrevier aber totzdem für Gemütlichkeit sorgen.

Eigentlich wollten wir über das verlängerte Wochenende mit dem Rest der
Familie an den Chiemsee fahren, wo wir schon länger mal hinwollten und
bereits eine Buchung vorgenommen hatten, die wir aber, aufgrund der
noch ungewissen Lage, wieder storniert haben.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und irgendwann wird man wieder
zu Normalität zurückfinden - hoffe ich jedenfalls.

Aber Vergnügungen können ja nicht schon alles sein. Ist Himmelfahrt nicht mehr, nämlich ein christlicher Feiertag?

Dass Himmelfahrt ein wichtiger Feiertag ist, wurde mir erstmals bewusst, als es
letztlich um die Auslegung des Hebräerbriefes ging. Himmelfahrt ist das
Gegenstück zu Weihnachten. An Weihnachten kam Jesus in die Welt und an
Himmelfahrt ging er zurück in den Himmel, um dort seinen weiteren Dienst für
uns aufzunehmen. Darum geht es im Hebräerbrief.

Der Hebräerbrief wird deshalb auch als das fünfte Evangelium bezeichnet.
Die vier Evangelien des Neuen Testaments befassen sich mit dem irdischen
Wirken Jesu und der Hebräerbrief mit dem himmlischen Wirken Jesu.

Ich erinnere mich hier an den Religionsunterricht während meiner Kindheit, wo
der Religionslehrer erklärte, dass wir direkt zu Gott und Jesus beten könnten
und dazu keinerlei Mittler bräuchten. Weder Priester, noch Heilige, die für uns
bitten, noch eine Kirche als Heilsvermitterin, weil Jesus Christus unser himmlischer Hohepriester ist, zu dem wir im Gebet direkten Zugang haben.

Jesus ist der Mittler des Neuen Bundes. Beim Abendmahl sagt Jesus zu seinen
Jüngern: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird (Lukas 22, 20). Der Neue Bund, das Neue Testament im
Gegensatz zum Alten Bund, dem Alten Testament.

Der altestamentliche Opfer- und Priesterdienst, ist als Mittlerdienst aufgehoben. Der Alte Bund damit überholt. Der Weg zu Gott geht jetzt unmittelbar über Jesus Christus, der Opfer und Priester in einer Person und der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Das neuerlich zu erkennen, ist der Sinn von Himmelfahrt, wo Jesus von der
sichtbaren Welt in die unsichtbare Wirklichkeit Gottes eingetreten ist und damit
jederzeit für jeden erreichbar ist.


Jörgen Bauer