Gedanken zum 1. Mai!

Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.

Römer 12, Vers 12


Ich erinnere mich noch gut an meine Jugendzeit und dem 1. Mai als dem
"Kampftag der Arbeiterklasse". Zu den organisierten Demonstrationen und Ansprachen musste man zwar nicht gehen, aber es gab so etwas wie "freiwilligen Zwang", denn nur, wenn man anwesend war, wurde der Feiertag bezahlt. Und von der Schule aus musste man ohnehin dabei sein, weil das
dem regulären Unterricht entsprach und man sonst unentschuldigt gefehlt hätte.

Die Reden sind mir noch gut in Erinnerung: Es ging darum, dass in der
DDR alles dem Volk gehört, und danach die Redewendung: "In Westdeutschland dagegen" wird die Arbeiterklasse weiterhin von den Monopolkapitalisten, Imperialisten, Revanchisten, Kriegstreibern usw. ausgebeutet.

Jeder durchschaute natürlich diese polemischen Parolen, man tat aber
gut daran, das nicht laut zu sagen, denn es gab die Partei- und sonstigen
-sekretäre und -innen, die Genossen und Parteigänger, die an den Sieg
des Sozialismus glaubten. Dazu gab es auch Spitzel und Denunzianten.

In der Welt gibt es nichts wirklich Neues, sondern immer nur das Alte, wenn
auch in ständig neuer Verpackung, durch die man sich nicht täuschen
lassen darf, und daran muss ich gerade jetzt immer wieder denken.

Der gottferne Mensch, der keinen festen Glaubensgrund hat und daher
der Spreu und dem Laub gleicht, das vom Winde verweht wird, ist
naturgemäß für Ideologien und Heilslehren besonders anfällig.

Deshalb konnten sich auch Nationalsozialismus und Kommunismus ausbreiten.
Ich meine aber, dass diese Ideologien durchschaut sind.

Deshalb wird eine neue Diktatur völlig anders sein, etwas womit niemand
gerechnet hätte, weshalb die Pflege von "rechten Feindbildern" allenfalls
von realen Gefahren ablenkt. Und wenn man ein Gespür für sich anbahnende
Entwicklungen hat, könnte da Ungutes auf uns zukommen.

Deshalb hat mich der heutige Bibelvers, der dieser Tage Lehrtext war,
besonders ermutigt, denn gerade daran müssen wir uns halten und
auch anderen davon Zeugnis geben.

Jörgen Bauer