Gedanken zu Epiphanias!

Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.

1. Johannes 4. Verse 9 und 10




Jedes Jahr, am 6. Januar, feiert die Christenheit das Erscheinungsfest. Und wer erscheint am „Erscheinungsfest“? Gedenkt man da etwa der Ankunft der Weisen aus dem Morgenland? Wird der 6. Januar deshalb als „Dreikönigstag“ bezeichnet, weil die Weisen an diesem Tag bei dem Jesuskind „erschienen“ sind?

Die Frage ist leicht zu beantworten, denn die korrekte Bezeichnung lautet: „Erscheinungsfest des Herrn“. Epiphanias kommt vom griechischen „epiphaneia“ und bedeutet „Erscheinung“. Man feiert an diesem Tag die Erscheinung der Göttlichkeit Jesu Christi.

Es ist deshalb ein guter Brauch, Weihnachten erst am 6. Januar zu feiern, so wie das in der orthodoxen Kirche üblich ist. In den Evangelien steht im Übrigen nichts darüber, wie viele Weise es waren, die aus dem Morgenland gekommen sind. Es müssen mindestens zwei gewesen sein, wobei die Zahl nach oben offen ist. Es ist auch nichts davon zu lesen, dass die Weisen aus dem Morgenland Könige waren, und ihre Namen sind ebenfalls nicht bekannt.

Namen sind hier auch nicht wichtig. Für die Bibel ist nur wichtig herauszustellen, dass die Geburt des Gottessohnes ein Ereignis ist, an dem selbst der Kosmos teilhat, weshalb dieses der Welt, hier in Gestalt der morgenländischen Forscher und Gelehrten, nicht verborgen bleiben konnte.

Und umgekehrt führte der Tod Christi am Kreuz dazu, dass sich die Sonne verfinsterte. In der Orthodoxie wird Christus auch als „Pantokrator“, als Herr des Kosmos bezeichnet. In der Zahlensymbolik ist die Vier die Zahl der Erde, Acht die Zahl des Kosmos, und in den Ikonen ist Neun die Zahl für Christus,
was IHN als den über dem Kosmos Stehenden bezeugt.

In 1. Johannes 4, Vers 9 wird vom Erscheinen der Liebe Gottes gesprochen. Bei dieser Liebe geht es um kein sentimentales Gefühl, sondern um Gottes Hingabe an uns. Gott verströmt sich in seiner Liebe. Und das, weil wir IHM so viel wert sind.

Das ist höchst erstaunlich. Denn obwohl wir als Sünder von Natur aus Gottes Feinde sind und eigentlich nicht liebenswert sein können, tut Gott trotzdem alles für uns und geht dabei so weit, dass ER sogar Seinen einzigen und über alles geliebten Sohn für uns opfert.

Als Mensch könnte man denken, „Gott muss verrückt sein, dass er so etwas tut!“ Wäre es nicht „vernünftiger“, sich stattdessen der Menschheit, die nur Ärger macht, für immer zu entledigen? Die Macht dazu hätte ER. Aber ER ist nicht verrückt, sondern der unfassbar Liebende. Wir können hier nur anbetend staunen und etwas davon erahnen, was „wahre Liebe“ ist.

Und im Vers 10 wird deutlich, dass die Hingabe Gottes zu uns Menschen ohne Vorleistung durch uns geschieht. Er nimmt uns in dem Zustand an, in dem wir zu IHM kommen. So sieht wahre Liebe aus: Für IHN ist nur wichtig, dass die Geliebten kommen, egal wie. Wir müssen uns dazu nicht extra fein machen, in dem wir uns „zuerst einmal „bessern“ und „anders werden“. Hauptsache ist, dass wir zu IHM kommen.

Wenn wir aber sein Angebot annehmen, darüber staunen, uns freuen und dankbar werden, dann sollen wir es Gott gleich tun und unsererseits die empfangene Liebe vorbehaltlos weitergeben.

Und das fällt uns leider oft schwer, obwohl wir dabei nur gewinnen können, denn was wir nach Unten weggeben, fließt uns von Oben umso reichhaltiger zu. Wir können Gott nur bitten, dass er unseren schwachen Glauben stärkt, damit wir als Kanäle, die Seine Liebe weiterleiten, offen bleiben, vor „geistlicher Verstopfung“ bewahrt bleiben und mehr und mehr in das Bild seines Sohnes verwandelt werden.


Jörgen Bauer