In allen meinen Taten, lass ich den Höchsten raten!

Es begab sich aber zu der Zeit, dass er auf einen Berg ging, um zu beten; und er blieb die Nacht über im Gebet zu Gott. Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte zwölf von ihnen, die er auch Apostel nannte.

Lukas 6, Verse 12 und 13



Zwei beeindruckende Verse, wie ich meine. Jesus der Sohn Gottes und damit Teil des trinitarischen Gottes, war auch
ganz Mensch und zeigt hier ein für uns beispielhaftes und vorbildliches Verhalten.

Es ging um eine schwerwiegende Entscheidung mit bis heute nachhaltigen Folgen. Es galt die Apostel auszuwählen, die in
der Geschichte der Christenheit eine tragende Rolle zugewiesen bekamen.

Nun könnte man sich vorstellen, dass Jesus, als Sohn Gottes, durchaus in der Lage gewesen wäre, zwölf geeignete Männer
als Apostel zu bestimmen.

Aus eigener Machtvollkommenheit zu handeln, entspricht
unserer Menschenart, nicht aber der Art Jesu.

Bei IHM ist das ganz anders. Hier machen wir immer wieder
die Entdeckung, dass ER nur in enger Verbindung mit seinem himmlischen Vater handelte. Zwar handelte Jesus am Ende
selbst, aber was er tat, hatte ER zuvor mit seinem Vater abgesprochen.

Und bei einer, für die weitere Geschichte der Christenheit
so wichtigen Entscheidung, wie die Erwählung der zwölf
Apostel, war eine besonders gründliche Aussprache mit
dem himmlischen Vater erforderlich.

Lukas berichtet, dass Jesus die ganze Nacht über im Gespräch mit Gott blieb. Vielleicht hat Jesus dabei alle infrage kommenden Kandidaten vor Gott ausgebreitet und sich die geeigneten Kandidaten zeigen lassen.

Vielleicht hat Gott IHN auch unmittelbar wissen lassen, welche Jünger ER sich als Apostel wünscht.

Wir wissen es nicht.

Am Morgen jedenfalls war die Entscheidung getroffen und

Jesus konnte zwölf der Jünger als Apostel auswählen. Es steht von Auswählen geschrieben, was für eine freie Entscheidung
Jesu spricht, es geht also nicht um die Ausführung eines im
Gebet erhaltenen Befehls.

Gott zwingt uns seinen Willen nicht auf. Ziel des Handeln Gottes ist, dass unser eigener Wille mit dem Willen Gottes übereinstimmt und umgekehrt der Wille Gottes mit unserem. Da ist kein Raum
für eine "Fremdbestimmung".

Für uns bedeutsam ist das Gebetsleben Jesu. Daran sollten
auch wir uns orientieren, in dem wir alle Dinge vor Gott im
Gebet bewegen und zwar nicht nur diejenigen, die uns
besonders wichtig scheinen.

Auch unseren gewöhnlichen Tagesablauf sollten wir im Gebet
vor Gott bringen. Die Dinge laufen besser, wenn wir darüber gebetet haben. Im Gebet wird uns vieles deutlich, was
wesentlich ist und was wir sonst übersehen würden.

Wir sollten auf diese Weise unser ganzes Leben in der Gemeinschaft mit Gott zubringen und auch tagsüber das Gespräch mit Gott suchen. ER wartet darauf und ist bereit
uns beizustehen.

Beten ist im Übrigen keine Zeitverschwendung. Ganz im Gegenteil. Wir erkennen Möglichkeiten, mit denen wir schneller und besser ans Ziel kommen.

Martin Luther hat das so gesagt:

"Ich habe heute so viel zu tun, dass ich gar nicht weiß, womit
ich anfangen soll, deshalb muss ich zuerst einmal beten."


Jörgen Bauer