Wer schon einmal nach einer langen, erschöpfenden Reise an einem fremden Ort angekommen ist, kennt dieses eine beruhigende Gefühl: Am Ziel wartet bereits jemand auf dich. Jemand hat das Licht angemacht, den Tisch gedeckt und die Tür weit aufgesperrt. Du musst nicht verhandeln, ob du willkommen bist. Alles ist vorbereitet. Hier steckt eine Hoffnung, die trägt.
Genau dieses Gefühl – erwartet zu werden – steckt in einer der erstaunlichsten Szenen des Neuen Testaments. Es sind die letzten Stunden vor der Verhaftung Jesu, die Schatten des Kreuzes liegen schon über seinem Leben. Doch statt in Panik zu geraten, tut er etwas Unerwartetes: Er betet. Und nicht nur für sich. Im sogenannten Hohepriesterlichen Gebet denkt er an seine Jünger – und an alle, die jemals an ihn glauben würden. Wenn Jesus betet, steht also auch dein Name auf seinen Lippen.
Sein größter Wunsch, kurz vor dem Kreuz, steht in Johannes 17, 24: „Vater, ich will, dass auch die, die du mir gegeben hast, bei mir sind.“
Dieser Satz ist keine vage Hoffnung. Er ist eine gewaltige Ansage. Im Urtext kann man entdecken, mit wie viel Nachdruck Jesus hier spricht: Er sagt nicht „Ich wünsche mir vielleicht…“, sondern ganz direkt: „Ich will es so.“ Das ist eine Ansage. Und sie zeigt, mit wie viel Nachdruck und Sehnsucht Jesus diesen Wunsch formuliert.
Wenn wir diesen Bibelvers genauer durchdenken, dann können wir diese vier wichtigen Gedanken erkennen:
Zuerst wird deutlich, dass, wer Jesus nachfolgt, ein Geschenk ist und kein Arbeiter. Wer zu Jesus gehört, wird von ihm als Geschenk des Vaters bezeichnet. Das nimmt unheimlich viel Leistungsdruck aus unserem Glaubensleben. Es geht hier nicht darum, dass du dir deinen Platz bei Gott durch fehlerfreies Verhalten oder geistliche Höchstleistungen erst erarbeiten müsstest. Die Initiative liegt komplett bei ihm. Du musst dir seine Nähe nicht verdienen; du bist bereits erbeten und erwünscht.
Zweitens spricht Jesus davon, dass wir dort sein sollen, „wo er ist“. Dabei geht es weniger um eine goldene Straße im Himmel mit Hausnummer und Straßenschild. Es geht um ungestörte Nähe. Ewiges Leben nach der Bibel bedeutet nicht, auf Wolken Harfe zu spielen, sondern in einer perfekten Beziehung zu leben. Es geht darum, bei ihm zu sein. Das wertet unser heutiges Leben auf dieser Erde keineswegs ab – im Gegenteil: Die Beziehung zu Jesus beginnt nicht erst nach dem Tod, sie fängt heute an und hört niemals mehr auf.
Dann geht es als Drittens um deine und meine Rolle. Jesus betet darum, dass wir seine wahre Herrlichkeit „sehen“. Im biblischen Denken ist dieses Sehen kein passiver Kinobesuch, wo man im dunklen Saal sitzt, Popcorn isst und zusieht, was auf der Leinwand passiert. Das Schauen der Herrlichkeit Jesu ist eine transformierende Erfahrung. Wer seine wahre Größe sieht, wird von ihr erfasst, verändert und hineingezogen. Du bleibst kein unbeteiligter Beobachter.
Der vierte Gedanke handelt vom Fundament. Der Satz, je nach Übersetzung, endet mit dem Hinweis auf eine Liebe, die existierte, „bevor die Welt gebaut wurde“. Das verschiebt alle unsere Maßstäbe: Ganz egal, wie chaotisch, unsicher oder beängstigend sich die Welt um dich herum anfühlt – am Anfang von allem stand nicht das Chaos oder der Zufall. Ganz am Anfang stand die ewige Liebe zwischen Vater und Sohn. Und genau in diesen geschützten Raum zieht Jesus dich hinein.
Dieser Vers ist eine extrem persönliche Ansage mit dem Wunsch, Räume zu teilen, Masken fallen zu lassen und gemeinsam an etwas teilzuhaben, das älter und größer ist als unser Alltag.
In einer Zeit voller Krisen, Kriege und Seuchen wird deutlich, wie zerbrechlich das Leben in dieser Welt ist. Unsere Zukunftsängste, Konflikte oder Einsamkeiten nennt jeder von uns nur anders. Doch die wichtige Frage lautet: „Wer wartet am Ende auf mich?“
Weil Jesus betet, ruht deine Hoffnung nicht auf deiner eigenen Tagesform oder deinen schwankenden Gefühlen. Sie zeigt uns seinen entschlossenen Willen. Wenn Jesus sagt: „Ich will, dass sie bei mir sind“, ist das ein Anker, der selbst in den stürmischsten Zeiten hält.
Worauf stützt du deine Hoffnung, wenn du in dieser Woche oder in deine Zukunft blickst? Auf deine eigenen Kapazitäten? Auf die Umstände um dich herum?
Vielen Dank fürs Lesen!
Dein Peter
Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen nämlich meine Herrlichkeit sehen können, die du mir gegeben hast, weil du mich liebtest – schon vor Erschaffung der Welt.
Johannes 17, 24








