Vom Glauben mit fröhlichen Herzen zum Kreuz

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„Ich glaube, darum rede ich. Und trotzdem geht’s mir oft richtig schlecht.“ So könnte man Psalm 116, 10 heute sagen. Ehrlich. Ungeschönt. Kein Filter drüber. Glaube heißt nicht, alles läuft. Glaube heißt, ich halte mich an Gott fest – auch wenn’s kracht. Und dieser Weg hat eine Richtung des Glaubens: vom Inneren nach außen und mitten durch Schwierigkeiten. Glaube schenkt Vertrauen – und doch bleibt das Leben schwer. Der Psalm verschweigt das Leiden nicht, aber er ordnet es ein. Glaube und Bedrängnis schließen einander nicht aus. Sie gehören zusammen. Und sie folgen einer inneren Bewegung: vom Herzen zum Wort, vom Wort zum Kreuz.

Am Anfang steht das Herz. Echter Glaube beginnt nicht mit Regeln, sondern innen. Er fühlt sich an wie ein innerer Halt. So ein Gefühl von „Ich muss nicht perfekt sein, um okay zu sein.“ Es bedeutet, du musst dich nicht dauernd beweisen. Nicht vor Gott. Nicht vor anderen. Und nicht mal vor dir selbst. Wer so glaubt, hat innerlich mehr Luft, ist innerlich frei und unabhängig. Da ist auch weniger Angst, ständig falsch zu sein. Mehr Mut, echt zu sein. Diese Fröhlichkeit ist keine Stimmung. Sie ist ein „ich weiß, woran ich bin. Auch, wenn’s stressig ist. Und auch, wenn Dinge wehtun.“ Das entsteht aus einer tiefen Sicherheit, dass Gott mein Leben trägt. Mein Wert hängt nicht daran, was ich leiste, wie fromm ich bin oder wie andere mich sehen.

Ein solches Vertrauen entlastet. Dieser Glaube bleibt nicht im Kopf. Wenn etwas dein Leben trägt, willst du dazu stehen. Irgendwann redest du, weil dein Herz überfließt. Martin Luther sagte dazu, dass das Herz genau deshalb „lachen“ kann – auch mitten in einer geplagten Wirklichkeit.

Diese innere Freiheit ist keine Flucht aus der Welt. Aber diese innere Freiheit macht innerlich stabil. So stabil, dass man sich von äußerlicher Unzufriedenheit nicht in seiner Glaubensbasis ins Wanken kommt.

Doch dieser Glaube bleibt nicht innen eingeschlossen. Dieser Glaube, diese Liebe zu Jesus sucht Ausdruck. Was einen beschäftigt, findet Worte. Ehrlich und klar. Genau das ist mit „reden“ in diesem Psalm gemeint. Du machst bei manchen Dingen nicht mehr mit. Du schweigst nicht, wenn andere unfair behandelt werden. Es geht um mehr als fromme Sätze oder Bibelverse auf Insta. Es geht darum, Stellung zu beziehen. Wahrheit wird ausgesprochen, Unrecht nicht mehr schöngeredet. Falsche Sicherheiten und falsche Hoffnungen müssen mit Namen genannt werden. Wer glaubt, beginnt zu unterscheiden. Zwischen dem, was trägt, und dem, was nur glänzt.

Aus diesem Glauben wächst Liebe. Eine Liebe, die nicht schweigt, wenn Schweigen gerade bequem wäre oder einen Vorteil bringen würde. Eine Liebe, die hilft, wo sie kann, und widerspricht, wo es nötig ist. Sie ist nicht aggressiv, aber klar. Denn Wahrheit lässt sich nicht beliebig anpassen. Gerade diese Klarheit macht diese Liebe verletzlich.

An diesem Punkt wird der Weg schmal. Wer offen zur Wahrheit steht und Jesus nachfolgt, gerät in Spannung mit dem, was gilt, glänzt, stark scheint oder Macht hat. Glaube passt selten reibungslos in bestehende Systeme und steht nicht auf der Seite der Starken und Mächtigen. Der Glaube stellt Fragen und ermahnt, wo andere Ruhe wollen.

Darum bleibt das Bekennen nicht folgenlos. Kritik, Ausgrenzung, Missverständnisse gehören dazu. Man wird belächelt, verdächtigt oder an den Rand gedrängt. Nicht, weil man alles besser wüsste, sondern weil Wahrheit stört.

Der Psalm verschweigt das nicht: „Ich werde sehr geplagt.“ Christlicher Glaube ist kein Schutzschild gegen Leid. Im Gegenteil, wer sich an Christus orientiert, gerät in seine Nähe – und damit auch in seinen Einfluss. Nachfolge führt nicht am Kreuz vorbei.

Das Leiden kommt nicht, weil Leid gesucht würde, sondern weil Treue Konsequenzen hat. Es kann Besitz, Ansehen, Beziehungen kosten. Manchmal sogar Sicherheit. Und doch wird das Leiden nicht absolut gesetzt. Es ist nicht das Ziel, sondern gehört zum Weg eines Gläubigen. Dieses Leiden ist keine Schande oder ein Verlust, sondern da steckt Leben drin. Nicht, weil Leid gut wäre, sondern weil es nicht das letzte Wort hat. Gott lässt Menschen nicht im Dunkeln stehen. Diese Hoffnung verändert die Haltung im Leid.

Es ist wichtig, immer freundlich zu bleiben, nicht zu verbittern, nicht zurückzuschlagen. Die Erinnerung daran, dass man selbst von Gnade lebt, sollte vor eigener Überheblichkeit bewahren. Sie öffnet den Blick für die anderen – auch für die, die nicht der eigenen Meinung entsprechen und ganz anders denken.

Die offene Frage bleibt: Wo spürst du, dass dein Glaube dich innerlich frei macht – und wo zögerst du noch, deinem Glauben eine Stimme zu geben?

Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Peter


Ich glaube, darum rede ich; ich werde aber sehr geplagt.

Psalm 116, 10