Der Dieb und die geklaute Bibel

Der Dieb und die geklaute Bibel

Auf einem Bahnhof in Frankfurt klaute er einem Pastor heimlich die Bibel.
Obwohl er in Deutschland aufgewachsen ist, wusste er nicht, was er nun da in Händen hielt und warum sich der Pastor über den Verlust ärgerte. Wichtig war nur, dass er nun offenbar etwas Wertvolles in Händen hielt.

In der Hoffnung auf PIN-Codes, Passwörter oder andere wertvolle Hinweise zu stoßen, blätterte er eifrig in der Bibel herum. Er las die in der Bibel eingekritzelten Notizen und die markierten Bibelstellen. Dabei kam er immer mehr ins Nachdenken.
Der Dieb verbrachte immer mehr Zeit mit der Bibel und stellte fest, dass sein Beruf als Dieb dem Gott der Bibel nicht gefallen konnte.

Über einen Chat einer christlichen Website kam er mit anderen Christen in Kontakt. Schließlich ließ er sich dazu ermuntern eine Gemeinde in seiner Nähe zu besuchen.
Bei seinen ersten Besuchen in der Gemeinde, fühlte er sich wie ein Außerirdischer in einer fremden Welt. Aber er spürte auch, dass diese Menschen ihm eine Hilfe sein konnten auf dem Weg zu einem Neuanfang.

Nach einem seiner Gottesdienstbesuche sprach ihn irgendwann ein Gemeindeverantwortlicher an. Er lernte dann weitere Menschen aus der Gemeinde kennen. Einer der Besucher der Gemeinde war ein Unternehmer und gab ihm später einen Halbtagsjob. Mit dem bescheidenen Einkommen konnte er nun auf die vorangegangene berufliche Tätigkeit ganz verzichten.

Nachdem er in einem Internet-Bibelfernkurs festgestellt hat, welche Bedeutung das Abendmahl und die Taufe haben, geriet er wegen seiner Vergangenheit in Gewissensnöte. Vor seinem geistigen Auge erkannte er immer mehr, an welchen Stellen er sich an anderen Menschen schuldig gemacht hat. Früher hat er solchen Gedanken keine Sekunde zuviel Aufmerksamkeit geschenkt. Aber er stellte fest, wie er sich verändert hat und es ihm wichtig wurde, was Gott von ihm denkt.
Er war früher so stolz darauf gewesen, niemals erwischt worden zu sein und nie jemanden körperlich verletzt zu haben. Umso mehr bedrückte ihn nun die Vergangenheit.
Immer wieder ärgerte er sich darüber, warum er erst so spät in seinem Leben von Gott erfahren hat und zu oft seinem auf Hörensagen beruhenden Wissen über Gott und Bibel vertraut hatte. Er hat viel Zeit verschenkt und dabei vielen Menschen Schaden zugefügt.

Ihm war klar, was passieren würde, wenn er sich stellt. Aber er wollte den eingeschlagenen Weg nicht mehr verlassen. Viel zu sehr schätzte er den Gewinn für seine Seele.

Nach einem Gottesdienst spürte er, dass er nun reinen Tisch machen musste. Niemand wusste, dass er ein Dieb war. Er machte sich auf dem Weg und besuchte den Pastor, dem er die Bibel geklaut hatte.

Der Pastor war ziemlich überrascht, als er nach seinem eigenen Gottesdienst von einem fremden Mann angesprochen wurde und seine Bibel wieder erhielt. Umso mehr freute er sich darüber, dass seine damaligen Flüche, die er über den Dieb ausschüttete, von Gott in Segen verwandelt wurden.
Die beiden Männer sprachen lange miteinander, hielten Kontakt zueinander und wurden Freunde.

Der Bibel-Dieb wusste nun, was er zu tun hatte.

Mit seinem neuen Glauben und den neuen Freunden an seiner Seite, fühlte er sich stark genug, das neue Jahr mit allen seinen Konsequenzen durchzustehen.



Herzlichst Ihr

Munir Hanna
für das Evangeliumsnetz e.V