Was nach einer Taufe schiefgehen soll

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Bildhinweis: KI-generiertes Bild – keine reale Aufnahme.

Mein lieber Neffe,

dein Bericht über die Taufe deines Patienten klingt, als hättest du bereits aufgegeben. Du schreibst von Wasser, einem gesprochenen Namen, Gebeten und einer Gemeinde, die ein Lied sang. Es ist sehr schlimm für uns und besonders für dich, dass du ihn nicht davon abhalten konntest.

Du solltest verstehen, was uns daran beunruhigt. Der Feind versucht unseren Patienten zu erklären, dass neues Leben nicht aus menschlicher Leistung kommen würde. Er bindet sein Wort an Wasser und lässt einen Menschen hören, dass er zu ihm gehört. Das Wasser ist sichtbar. Glücklicherweise kann der Mensch nicht sehen, welche Wirkung das hat.

Versuche also nicht, deinem Patienten einzureden, Wasser sei magisch. Das wäre plump. Lass ihn lieber sagen: „Es war doch nur Wasser.“ Und sorge dafür, dass er den Rest vergisst: das Wort und den Geist. Am besten gelingt dir das, wenn er mit dem Fest und den Glückwünschen beschäftigt ist.

Die Angehörigen werden dir dabei helfen. Sie nennen die Taufe einen schönen Familienmoment. Das ist nicht falsch, aber angenehm unvollständig. Sie werden sich an das weiße Kleid erinnern, an die Kirche, die Fotos und den Kuchen. Nur die Frage, was der Feind dort zugesagt hat, darf ihnen möglichst nicht wieder einfallen. Und wenn es ihnen einfällt, dann lasse es so abstrakt und unkonkret erscheinen, dass alle zwar ernst und wichtig nicken, aber keine Ableitung für das konkrete Leben machen können. Wenn sie den Tag in ein Album legen, kannst du hoffen, dass sie auch die Taufe selbst darin verstauen und einen Haken dran machen.

Besonders nützlich sind die Paten. Lass sie das Versprechen mit ernster Miene abgeben. Danach kannst du sie beruhigen: Das getaufte Kind werde schon seinen Weg finden. Sie müssten ja nicht gleich regelmäßig für deinen Patienten beten oder es im Glauben begleiten. Ein Geschenk zum Geburtstag, ein Telefongespräch oder eine Chat-Nachricht sollte als geistliche Fürsorge völlig ausreichen. Falls sie sich doch verpflichtet fühlen, lenke sie auf die Frage, ob sie überhaupt die richtigen Leute für diese Aufgabe seien. Selbstzweifel beschäftigt Menschen besser als Treue.

Bei erwachsenen Täuflingen brauchst du eine andere List. Lass deinen Patienten glauben, das feierliche Bekenntnis sei schon die ganze Veränderung. Er soll am Tauftag große Worte sprechen und am Montag so weitermachen wie zuvor. Lass ihn am besten eine Nachricht auf einem Nachrichtenportal lesen, die ihn empört. Oder lass ihn einen Kollegen oder Nachbarn begegnen, der ihn respektlos behandelt. Wenn dein Patient später über das Event „Taufe“ stolpert, kannst du ihm einreden, seine Taufe war wohl nichts wert gewesen, weil er ja versagt hat. Oder – je nach dem, wie seine Stimmung ist – du versicherst ihm das Gegenteil: Er ist ja getauft und müsste sich deshalb um nichts mehr kümmern. Beides hält deinen Patienten davon ab, sich an die Zusage des Feindes zu klammern.

Denn genau davor zittert unser Vater in der Tiefe: vor einem Menschen, der sich an Gottes Zusage klammert. Vor einem Getauften, der nach einem Versagen nicht davonläuft, sondern um Vergebung bittet. Der Tag für Tag neu fragt, wie er näher bei Gott leben kann und bereit zur persönlichen Veränderung ist. Der alte Mensch soll sterben, schreibt der Feind, ein neuer soll aufstehen. Ein solcher Mensch wird beginnen anders zu handeln. Er sucht Versöhnung, wo er andere verletzt hat. Er widerspricht der Gleichgültigkeit und tut Gutes.

Verwechsle Zweifel und Versagen also nicht mit deinem Erfolg. Menschen können ihre Taufe vergessen und trotzdem von Gottes Zusage leben. Manchmal erinnert sie ein Pate an sein Versprechen. Manchmal spricht ein Angehöriger mit ihnen. Manchmal hören sie im Gottesdienst wieder das Wort, das bei ihrer Taufe gesprochen wurde. Und manchmal klammern sie sich selbst daran, obwohl sie gerade wenig fühlen. Dann richtet sich ihr Blick wieder auf den Feind und seine Zusage – und sie rücken ihm näher.

Du siehst also, lieber Neffe: Wir müssen die Taufe nicht aus der Welt schaffen. Es genügt, wenn niemand mehr begreift, was dort geschehen ist. Lass es in im Kopf deines Patienten so unkonkret wie möglich sein.

Dein Onkel

Dieser Brief ist zwar frei erfunden, doch eine Frage an dich: Klammerst du dich an Gottes Zusage – und lässt du dich von ihr Schritt für Schritt in ein Leben führen, das näher bei Gott ist?

Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Peter


Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Johannes 3,5