Du ziehst das Trikot deines Lieblingsvereins an. Vielleicht hast du sogar einen Mitgliedsausweis. Du kennst die Spieler, singst die Hymne und jubelst bei jedem Tor. Du gehörst dazu. Du bist Fan. Aber was passiert, wenn dein Verein nur noch verliert? Bist du dann immer noch dabei?
Menschen wollen wissen, wer sie sind und wohin sie gehören. Sie lassen es sich auch gerne von anderen sagen, wer sie sind, weil sie sich um eine Fahne, ein Symbol versammeln, bestimmte Kleidung tragen oder ein Ritual ausüben. Konkret erleben wir das im Alltag mit Vereinen, politischen Überzeugungen, Berufen, Marken oder bestimmten Lebensstilen. Das gibt uns Orientierung, verbindet uns mit anderen und vermittelt uns das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.
Christlicher Glaube ist viel mehr als die Mitgliedschaft in einem Verein oder einer Gemeinschaft. Paulus beschreibt in Römer 6,4 eine fundamentale Veränderung und verwendet ein ungewöhnlich starkes Bild: Tod und Auferstehung. Wer zu Christus gehört, ist mit ihm gestorben und zu einem neuen Leben berufen. Seine Beziehung zu Gott und das Fundament der eigenen Existenz wird komplett ausgetauscht.
Genau das zeigt die Taufe, wie ein sichtbares Symbol: Wer unter Wasser geht, lässt sein altes Leben, seine Fehler und den ganzen Müll symbolisch begraben. Und wer wieder auftaucht, holt tief Luft und startet neu durch. Ein klares Statement an alle: Ich gehöre jetzt zu Jesus, mein altes Ich hat keine Macht mehr über mich. Das ist die neue Identität. Du wirst nicht mehr von dem Zeug gesteuert, das zwischen dir und Gott steht. Du lässt dich von Gott steuern und kannst alles, was dir im Leben begegnet mit ihm zusammen durchstehen.
Martin Luther hatte damals gesagt: Diese Veränderung passiert nicht bloß einmal am Tag der Taufe. Man muss diesen inneren Reset jeden Tag neu drücken. Mal klappt es super, mal baut man wieder Mist. Aber jeden Morgen steht man auf und fängt mit Jesus wieder neu an. Egal, ob man Anfänger im Glauben ist oder schon seit 30 Jahren dabei ist.
Leider wird bei manchen Menschen aus der Identität nur noch ein Etikett. Das hatte bereits Martin Luther im Mittelalter beobachtet und kritisiert. Er beobachtete Menschen, die sich auf ihre Taufe und Gottes Vergebung berufen hatten, aber überhaupt nicht daran dachten, ihr Leben zu verändern. Sie wollen Christen heißen und gleichzeitig weiterhin ausschließlich nach ihren eigenen Vorstellungen leben und beschäftigen sich nicht damit, ob ihr Leben im Sinne Jesu ist. Luther nannte das damals einen Missbrauch der Taufe. Sie werde zu einem „Schanddeckel“, unter dem man sein bisheriges Verhalten verstecken könne.
Wenn jemand aus Wut einen anderen Menschen verletzt, seine Schuld erkennt, um Vergebung bittet und versucht, sein Verhalten zu ändern, lebt anders als jemand, der seine Rücksichtslosigkeit bewusst verteidigt. In diesen beiden Fällen können diese Menschen schuldig werden vor Gott. Aber ihre Haltung zur Schuld unterscheidet sich grundlegend.
Das Problem besteht nicht darin, dass ein Christ wieder oder immer noch Fehler macht oder immer wieder schuldig wird. Das Problem beginnt dort, wo er die Gnade Gottes als Rechtfertigung oder Ausrede benutzt, um nichts ändern zu müssen.
Doch bevor jetzt ein Missverständnis entsteht: Nein, ein Christ muss nicht durch sein Verhalten beweisen, dass er wirklich zu Christus gehört. Er verliert seine christliche Identität nicht, wenn er mal einen Fehler macht oder scheitert. Auch Christen bleiben Menschen mit Schwächen, Versuchungen und widersprüchlichen Wünschen.
In Römer 6 zeigt Paulus, worum es im Kern geht: Die Sünde – also alles, was uns von Gott trennt – soll uns nicht lenken. Wenn wir jemanden lieben, wollen wir nichts tun, was diesen Menschen verletzt oder kränkt. Genauso ist es mit Jesus: Wer zu ihm gehört, tut das aus Liebe. Und genau diese Liebe führt dazu, dass wir Verhaltensweisen meiden, die ihm entgegenstehen.
Was bedeutet es für dich, Christ zu sein? Wie gehst du mit Menschen um, die dir nichts zurückgeben können? Bist du bereit, eigene Fehler einzugestehen? Wie gehst du mit Macht, Geld oder Menschen um, die anderer Meinung sind?
Solche Situationen machen sichtbar, ob der Glaube nur ein Deckmantel ist oder tatsächlich unser Denken und Handeln prägt. Lassen wir zu, dass unser Glaube Konsequenzen für unser Leben hat?
Vielen Dank fürs Lesen!
Dein Peter
Durch das Eintauchen in den Tod sind wir also mit Christus zusammen begraben worden, damit so, wie Christus durch die herrliche Macht des Vaters von den Toten auferweckt wurde, wir nun ebenfalls in dieser neuen Wirklichkeit leben.
Römer 6,4







