Kontrolle loslassen: Warum sogar Luther Gott Ratschläge geben wollte

Image
Bildhinweis: KI-generiertes Bild – keine reale Aufnahme.

Kontrolle loslassen fällt niemandem leicht – nicht mal Martin Luther. „Herr, ich hätte da einen Vorschlag.“ Martin Luther schaut nachdenklich auf die Welt, während er über Jesaja 28 brütet. Die Kirche steckt in Krisen. Menschen suchen nach Wahrheit. Vieles scheint aus dem Ruder zu laufen. „Wenn du mich fragst“, beginnt Luther vorsichtig, „ich wüsste da einen guten Weg. Wenn du hier eingreifen würdest und dort eine Tür öffnetest, wenn diese Menschen zum Glauben kämen und jene Hindernisse verschwänden – dann würde dein Name geehrt, dein Reich wachsen und die Kinder könnten ohne Ablenkung christlich erzogen werden. Das wäre doch gut, oder?“

Einen Moment lang ist es still. Dann, so stellt Luther es sich vor, lächelt Gott und antwortet: „Martin, ich sehe deinen Eifer. Ich weiß, dass du das Beste willst. Aber ich brauche niemanden, der mir erklärt, wie ich meine Kirche oder diese Welt regieren soll. Ich bin Gott. Ich führe. Nicht weil Menschen mir den Weg zeigen, sondern weil ich den Anfang und das Ende kenne. Du hast eine ganz andere Aufgabe.“

Diese humorvoll wirkende Szene hat sich nie so abgespielt. Aber sie bringt auf den Punkt, was Luther selbst in einem seiner Texte zu dieser Bibelstelle gesteht: Er habe sich schon dabei ertappt, Gott vorzuschreiben, wie er seine Kirche regieren solle – und das alles zu Gottes Ehre und zum Heil der Menschen. Doch Gott habe ihm knapp geantwortet: „Ich bin nicht ein solcher Gott, der sich will lehren oder regieren lassen.“ Luthers Anliegen war nicht eigennützig. Trotzdem musste er lernen, dass Gottes Wege oft anders verlaufen als die eigenen Pläne – und gerade deshalb besser sind.

Um zu verstehen, was Luther an Jesaja 28 faszinierte, werfen wir einen Blick auf die ersten Verse. Jesaja redet dort Tacheles mit den Führungsschichten seiner Zeit. Die feindliche Großmacht der Assyrer bedroht das Land. Die Elite verfällt in Panik. Im Geheimen schmiedet sie ein Bündnis mit Ägypten. Dabei war nicht die Diplomatie das Problem, sondern dass dieser Pakt ohne Gottes Einwilligung geschlossen wurde und man sich auf menschliche Stärke verlassen hat.

Auch heute gilt diese Frage, woher holen wir unsere letzte Sicherheit? Suchen wir Verbündete und Lösungen, die uns von Gottes Werten wegziehen, nur weil wir Panik vor der Zukunft haben oder uns eine Entwicklung nicht gefällt?

Als der Prophet Jesaja die politischen Führer in Jerusalem warnt, verspotten sie ihn und äffen ihn nach wie ein Kleinkind: „Was will der uns beibringen? Wir sind erwachsene Strategen!“ Genau das tun auch wir in Krisen oft: Wir verlieren die Standhaftigkeit. Wenn Druck herrscht, verfallen wir in starre, blinde Muster und versuchen mit unseren eigenen Werkzeugen Lösungen zu erzwingen. Wir schließen quasi unsere eigenen kleinen „Kompromisse mit dem Tod“, um schnellen und einfachen Auswegen nachzujagen, statt darauf zu vertrauen, dass Gott einen weiseren Weg für uns hat.

Ab Vers 23 wechselt Jesaja abrupt den Ton. Er erzählt vom Handwerk des Bauern: Der Bauer bricht die harte Erde auf, wühlt den Boden um und hinterlässt tiefes, dunkles Chaos. Für jemanden ohne Ahnung von Landwirtschaft sieht das nach reiner Zerstörung aus. Doch der göttliche Bauer folgt einem perfekten Rhythmus. Das Pflügen hat ein Ende. Der Bauer quält den Boden nicht endlos. Er hört auf, sobald die Erde bereit ist für die Saat. Das Aufbrechen tut weh, aber es ist die Vorbereitung für etwas Neues.

Sobald die Saat im Boden liegt und die Ernte beginnt, zeigt sich die Genialität des Bauern. Er schert nicht alles über einen Kamm. Er behandelt jede Saat und jede Stelle des Feldes unterschiedlich und individuell. Jeder Handgriff ist perfekt dosiert.

Wenn wir in einer Krise stecken, fühlen wir uns oft genauso: aufgewühlt. Wir fragen uns: „Gott, was tust du da?“ Doch dieses Bild macht klar: Gott behandelt uns nicht nach dem Rasenmäher-Prinzip. Er weiß genau, welche Pflege und welchen Druck du gerade brauchst – und was du tragen kannst. Wenn Gott in unserem Leben Dinge aufwühlt oder Druck zulässt, tut er das nie, um uns zu vernichten, sondern um das Kostbare in uns freizulegen. Sein Ziel ist niemals das Trümmerfeld, sondern immer eine gute Ernte.

Aus diesem Bibeltext können wir lernen, dass wir nicht die ganze Welt auf unseren Schultern tragen oder Gottes Ratgeber sein müssen. Wir dürfen Menschen sein, die ihm folgen. Glaubst du auch dann an seine Weisheit, wenn du seinen Weg noch nicht verstehst? Gottes Plan ist wunderbar, weil es über unser Denken und unseren geistigen Horizont hinausgeht. Wir dürfen uns auf Gott verlassen, auch wenn der nächste Schritt noch im Nebel liegt.

Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Peter


Gottes Pläne sind zum Staunen, er führt sie immer zum Erfolg.

Jesaja 28, 29