Wer schon einmal für eine Überzeugung eingestanden ist, kennt das Gefühl: Man sagt etwas, von dem man überzeugt ist, und plötzlich steht man allein da. Kollegen schütteln den Kopf. Freunde widersprechen oder schweigen. In den sozialen Medien hagelt es Kritik. Man fragt sich: War es das wert? Hätte ich nur den Mund gehalten?
Dummes oder unreifes Verhalten möchte ich nicht rechtfertigen, aber in berechtigten Fällen denkt man „keiner versteht mich“. So erging es auch den jungen Jeremia, als Gott ihm sagte: „Ich mache dich heute zu einer befestigten Stadt, einer eisernen Säule, einer stählernen Mauer gegen das ganze Land.” Das ist kein Versprechen für ein bequemes Leben. Im Gegenteil: Jeremia wird Widerstand erleben und das wird ihm auch nicht gerade nett bereits angekündigt. Könige, Beamte, Priester und viele Menschen werden sich gegen ihn stellen. Doch Gott fügt hinzu: „Sie werden gegen dich kämpfen, dich aber nicht bezwingen, denn ich bin mit dir…“
Martin Luther erkannte sich in diesen Worten wieder. Während der Reformation stand er unter enormem Druck. Seine Schriften wurden verboten, seine Gegner waren mächtig, und zeitweise musste er um sein Leben fürchten. Deshalb hatte er die Verheißung an Jeremia wie eine persönliche Ermutigung gelesen. Luthers Sprache wirkt heute allerdings ungewohnt und hart. Wenn er von „Papisten“, „Schwärmern“ und „Teufel“ spricht, können wir einen temperamentvollen Luther uns vorstellen, der in den hitzigen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts steckte. Es war eine Zeit der theologischen Konflikte, die oft mit scharfen Worten geführt wurden. Diese Polemik gehört zur Geschichte, aber sie ist nicht das eigentliche Zentrum seines Textes.
Der eigentliche Kern lautet: Gottes Wort hängt nicht vom Erfolg eines einzelnen Menschen ab. Luther sagte mal sinngemäß: Ihr könnt mich bekämpfen, aber die Botschaft des Evangeliums könnt ihr nicht auslöschen. Nicht weil ich besonders stark bin, sondern weil Gott hinter seinem Wort steht. Diese Überzeugung findet sich an vielen Stellen der Bibel. Jesus kündigt seinen Jüngern an, dass sie auf Widerstand stoßen werden. Paulus schreibt, dass Gottes Kraft gerade in menschlicher Schwäche sichtbar wird. Und Jeremia selbst erlebt, dass Gottes Zusage ihn durch schwere Zeiten trägt.
Die meisten Christen in Deutschland müssen keine Verfolgung fürchten. Trotzdem erleben viele Situationen, in denen es Mut braucht, zum eigenen Glauben zu stehen oder nach christlichen Maßstäben zu handeln. Mut deswegen, weil es manchmal auch Standhaftigkeit gegenüber der eigenen Gruppe oder Partei bedeutet. Z.B. kann es bedeuten, ehrlich zu bleiben, obwohl Unehrlichkeit einfacher wäre, um ein Ziel zu erreichen. Oder sich gegen Unbarmherzigkeit, Hassrede oder Ungerechtigkeit zu stellen. Manchmal ist es wichtiger zu vergeben, obwohl andere zur Rache raten. Oder Hoffnung auszusprechen, wo alle nur noch schwarzsehen.
Dabei geht es nicht darum, laut oder streitlustig aufzutreten. Die Bibel fordert Christen vielmehr auf, die „Wahrheit in Liebe“ zu sagen (Epheser 4,15). Oftmals wird gerne „Kante“ gezeigt und Wahrheit ohne Liebe gesagt. Standhaftigkeit und Demut gehören zusammen. Wer Gottes Wahrheit vertritt, muss andere Menschen nicht herabsetzen.
Wir sollten niemals vergessen, dass der christliche Glaube nicht von der Stärke oder Lautstärke seiner Anhänger lebt. Er lebt von der Treue Gottes. Unsere Aufgabe ist es, Christus nachzufolgen und sein Evangelium zu verbreiten. Das Ergebnis dürfen – nein: sollen! – wir Gott überlassen.
Die Zusage an Jeremia gilt deshalb auch heute für uns als Ermutigung: Wenn Gott einen Menschen sendet, lässt er ihn nicht allein. Das bedeutet nicht, dass jeder Konflikt verschwindet. Aber es bedeutet, dass Gottes Gegenwart größer ist als der Gegenwind.
Wo brauchst du im Moment Mut, um zu dem zu stehen, was du als richtig erkannt hast? Genau dort ist Gottes Zusage aktuell: „Ich bin bei dir.“ Diese Worte geben keine Garantie für ein leichtes Leben. Aber sie schenken die Gewissheit, dass du den Weg nicht allein gehen musst.
Vielen Dank fürs Lesen!
Dein Peter
„… Pass auf! Ich mache dich heute zu einer befestigten Stadt, einer eisernen Säule, einer stählernen Mauer gegen das ganze Land, gegen seine Könige und Beamten, gegen seine Priester und gegen das Volk. Sie werden gegen dich kämpfen, dich aber nicht bezwingen, denn ich bin mit dir, um dich zu retten“, spricht Jahwe.
Jeremia 1, 18-19







