Kommt dir das bekannt vor? Jemand lügt, manipuliert und betrügt. Trotzdem wird er immer erfolgreicher. Er bekommt Anerkennung, gewinnt Einfluss und verdient vielleicht sogar eine Menge Geld. Andere bewundern ihn. Seine Kritiker werden ausgelacht oder zum Schweigen gebracht. Und irgendwann sagt jemand: „So falsch kann er doch gar nicht liegen. Sonst wäre er nicht so erfolgreich!“
Menschen machen es sich oft einfach und schauen auf das Offensichtliche. Die meisten sehen Erfolg oft als Beweis für die Richtigkeit einer Sache an. Wer z.B. viele Follower hat, muss etwas zu sagen haben. Wer reich ist, hat offenbar alles richtig gemacht. Und wer sich politisch durchsetzt, scheint die besseren Argumente zu besitzen oder doch irgendwie recht zu haben.
Aber stimmt das wirklich? Ist der Gewinner automatisch im Recht? Und ist der Verlierer automatisch im Unrecht? Erfolg fühlt sich gut an. Er bestätigt uns, stärkt unser Selbstbewusstsein und macht Mut. Das soll auch nicht verurteilt werden. Wenn wir aber aus unserem Erfolg ableiten, dass wir anderen überlegen sind, dann wird es gefährlich. Gefährlich, weil wir dann den guten Weg verlassen und uns auf den Irrweg begeben. Wenn wir glauben, keine Fehler mehr machen zu können oder etwas verstanden zu haben. Wenn Kritik dann nur noch als Angriff verstanden und nicht als mögliche Korrektur gesehen wird. Dann wird der scheinbare und äußerliche Erfolg zu einer Art Ersatzgott.
Genau diese Entwicklung beschreibt die Bibel beim Aufstieg des babylonischen Reiches. Seine Herrscher eroberten Länder, besiegten ihre Gegner und wurden immer mächtiger. Schließlich hielten sie ihre eigene Stärke für den höchsten Maßstab. In Habakuk Kapitel 1 wird das Problem beschrieben. Nicht ihre Stärke war das Problem, sondern ihre Überzeugung, dass ihre Stärke ihnen das Recht gab. Und dieser Irrtum ist keineswegs auf mächtige Herrscher beschränkt.
Auch wir können einen Streit gewinnen und dabei ungerecht sein. Wir können Anerkennung bekommen, weil wir andere schlechtmachen. Wir können unsere Interessen durchsetzen und dabei Menschen verletzen. Dass etwas im Augenblick funktioniert, bedeutet noch lange nicht, dass es richtig ist und eine Dauerhaftigkeit hat oder Gutes bewirkt.
Wenn Menschen mit Unrecht erfolgreich sind, dann entsteht eine unangenehme Frage: Warum lässt Gott das zu? Warum stoppt er nicht diejenigen, die lügen, betrügen oder andere unterdrücken? Warum müssen manchmal gerade die Menschen leiden, die sich bemühen, ehrlich und gerecht zu handeln?
Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Die Bibel zeigt allerdings, dass Gottes Geduld nicht mit seiner Zustimmung verwechselt werden darf. Nur weil Gott etwas geschehen lässt, heißt das nicht, dass er es gutheißt. Manchmal können Menschen lange erfolgreich sein, obwohl sie auf einem falschen Weg sind. Ihr Erfolg macht sie womöglich sogar immer selbstgerechter. Sie hören nicht mehr zu, hinterfragen sich nicht mehr und halten sich schließlich für unantastbar. Doch Gottes Schweigen ist kein Freispruch. Wir sehen immer nur einen Ausschnitt. Gott sieht das Ganze.
Wie sehr wir uns vom äußeren Erfolg täuschen lassen können, zeigt die Geschichte Jesu. Als Jesus am Kreuz hing, sah alles nach einer endgültigen Niederlage aus. Seine Gegner hatten sich durchgesetzt. Seine Freunde waren geflohen. Die Menschen verspotteten ihn: Wenn Gott wirklich auf seiner Seite steht, warum rettet er ihn dann nicht?
Für viele Menschen war es klar: Jesus war ein Verlierer. Was in dem Moment der großen Enttäuschung kaum einer begriffen hatte, war der tiefere Plan Gottes, um den Menschen eine Brücke zu sich zu bauen. Gott kam es auf etwas ganz anderes an. Die Menschen wollten Jesus zum König krönen, ein Reich Gottes auf Erden schaffen und warteten auf Legionen, um die Römer zu vertreiben und das alte Reich wieder erstehen zu lassen.
Das Kreuz zeigt es ganz deutlich, wie leicht wir uns beeinflussen lassen. Aber es ist wichtig, immer wieder zur Ruhe zu kommen und sich daran zu erinnern, dass Gottes Wahrheit nicht davon abhängt, wer gerade die Macht besitzt und sich ein Denkmal setzen möchte oder wer die Mehrheit hinter sich hat oder wer am lautesten jubelt.
Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Nicht immer ist der strahlende Sieger auch der, der bleibt. Gott tickt anders. Er wendet sich den Schwachen und Hilfsbedürftigen zu und es entspricht seinem Willen, wenn Menschen mit Macht, genau diesen Menschen Schutz, Würde und Hilfe ermöglichen.
Vielen Dank fürs Lesen!
Dein Peter
Dann ziehen sie weiter. / Wie der Sturm fegen sie dahin / und machen sich schuldig, / denn ihr Gott ist die eigene Kraft.
Habakuk 1,11
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