Wachstum im Glauben: Warum du kein perfekter Christ sein musst

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Bildhinweis: KI-generiertes Bild – keine reale Aufnahme.

Echtes Wachstum im Glauben messen wir manchmal wie mit einer Wander-App: Wie weit bin ich gekommen? Bin ich schneller unterwegs als andere? Laufe ich überhaupt noch in die richtige Richtung?

Auch im Glauben verfallen wir schnell in dieses Denken. Wir vergleichen uns mit Christen, die gefühlt mehr beten, die Bibel auswendig kennen oder ihren Glauben viel selbstbewusster leben. Schnell entsteht das Gefühl: Ich bin noch nicht weit genug. Oder umgekehrt schleicht sich der Gedanke ein, man sei schon viel weiter als der Sitznachbar in der Gemeinde.

Doch das christliche Leben ist weder ein Wettlauf noch eine Dauerprüfung, bei der wir Punkte für den Himmel sammeln müssen. Wer mit Christus unterwegs ist, der wächst – mal in riesigen Sprüngen, mal in winzigen Schritten, mal voller Energie und mal mit müden Beinen. Entscheidend ist nicht, wie weit du schon gekommen bist, sondern wer dich führt.

Darum schreibt Paulus im 2.Korinther 5, 7: „Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“ Paulus schreibt diese Worte an eine Gemeinde, die mit Unsicherheit, Anfechtungen und Leid zu kämpfen hatte. Er erinnert sie daran, dass ihr Leben nicht von dem bestimmt wird, was sie gerade sehen, sondern vom Vertrauen auf Gottes Zusagen. Mit „Schauen“ meint Paulus all das, was wir greifen und messen können: unsere Tagesform, unsere Erfolge, aber eben auch unsere sichtbaren Fehler und Zweifel. Wenn wir nur darauf fixiert sind und wie gelähmt auf Wind, Wellen und Stürme um uns herum blicken, werden wir schnell unsicher und verlieren das Wesentliche aus den Augen.

Unser Fundament ist das, was wir noch nicht vollständig sehen können. Solange wir leben, sehen wir Gottes Wirklichkeit nur bruchstückhaft. Wir stolpern, zweifeln und scheitern. Trotzdem führt Gott seinen Weg mit uns weiter. Wir leben aus dem Vertrauen auf seine Hand, selbst wenn der Weg vor uns manchmal im Nebel liegt.

Martin Luther sagte dazu: „Es ist nicht Gerechtigkeit, sondern Rechtfertigung; nicht Reinigkeit, sondern Reinigung.“ Darin steckt das Herz des Evangeliums. Gott wartet nicht darauf, dass wir irgendwann perfekt werden. Er nimmt uns bedingungslos an, weil Jesus am Kreuz bereits alles vollbracht hat. Wir kämpfen nicht um Gottes Liebe, sondern leben aus ihr heraus. Aus dieser geschenkten Annahme beginnt ein lebenslanger Veränderungsprozess, der auch äußerlich sichtbar wird.

Für diese Spannung gibt es die Formel „Schon jetzt – und noch nicht“. Wir gehören bereits zu Christus, wachsen aber noch in das hinein, was wir durch ihn längst geworden sind. Nicht unsere Vollkommenheit trägt uns, sondern Gottes Treue.

Das ist ein bisschen wie bei einem Umzug: Die neue Wohnung gehört dir schon ab dem Tag der Schlüsselübergabe ganz offiziell – das ist die Zusage. Aber es dauert Zeit, bis alle Kartons ausgepackt sind und jeder Raum eingerichtet ist. Genauso gehören wir durch Jesus bereits vollkommen zu Gott. Aber unser Alltag zieht nach und nach erst hinterher. Genauso gehören wir durch Jesus bereits vollkommen zu Gott, während unser Alltag erst nach und nach hinterherzieht.

Das Evangelium versteht Christen nicht als fertige Produkte, sondern als Baustellen. Menschen, an denen Gott unaufhörlich wirkt. Auch Schwierigkeiten, Umwege und eigene Fehler gehören zu dieser Schule des Glaubens. Genau dort lernen wir, seinen Möglichkeiten mehr zu vertrauen als unseren eigenen. Deshalb ist diese Bibelstelle weit mehr als ein vertröstender Blick gen Himmel. Paulus beschreibt den ganz normalen Gemeindealltag: Wir leben aus dem Vertrauen auf Gottes Zusagen, selbst wenn wir das Ergebnis noch nicht sehen.

Woran erkennt man solches Wachstum dann überhaupt, wenn nicht am Vergleich? Meist an unscheinbaren Dingen. Z.B., dass man nach einem Streit schneller vergibt als früher, dass eine alte Angst kleiner geworden ist, dass man ehrlicher über eigenes Versagen und eigene Fehler reden kann. Solche Veränderungen bemerkt man selten an sich selbst – oft sehen sie eher die Menschen um einen herum. Die Frucht sieht in der Regel der Nachbar, nicht der Baum. Und genau das schützt vor einem Missverständnis: Sich auf Gottes Treue zu verlassen ist kein Ruhekissen, das jeden weiteren Schritt erspart, sondern gerade der gute Boden, auf dem man überhaupt weitergehen kann.

Bei Gott zählt nicht dein Status, sondern deine Ausrichtung. Diese Botschaft tut gut. Du darfst heute aufatmen und neu durchstarten. Egal wo du gerade stehst – mit Christus ist jeder Schritt ein Schritt nach vorn. Geh voller Hoffnung weiter, denn er bringt dich ans Ziel!

Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Peter


Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. 

2.Korinther 5, 7