Seit langer Zeit sehen wir Bilder von Krieg, Terror, Hass und Vergeltung. Politiker und Mächtige zeigen, wie wenig Weisheit in ihrem Handeln steckt – und versuchen stattdessen ihre Ideologien durchzudrücken. Aber auch ganz normale Menschen beschimpfen sich in sozialen Netzwerken wie Feinde. Wer die falsche Meinung hat, gilt schnell nicht mehr nur als Gegner, sondern als Störfaktor, den man am liebsten loswerden würde. Der Mensch dahinter wird nicht mehr gesehen. Gnade gibt es nicht. Ein miteinander Reden und gemeinsam Nachdenken zeigt die Hartherzigkeit.
Wir Menschen machen gerne aus Einzelfällen gleich eine Sippenhaft und damit gut gepflegte Feindbilder. Die Muslime, die Palästinenser, die Juden, die Chinesen oder Amerikaner, die Linken, die Rechten, die Woken – sie alle sind die Bösen und müssen vernichtet werden, weil sie eine Gefahr sind. Aber ist das wirklich so?
Gibt es wirklich Menschen, denen man den Untergang wünschen darf? Menschen, bei denen man innerlich sagt: „Die haben Gnade nicht verdient“? Falls dich Politik kaltlässt, setz für die Aufzählung jemand anderen ein: deinen Vorgesetzten, der dich schlecht behandelt. Den Nachbarn, der dir nichts gönnt oder den du beneidest. Den Mitschüler mit der besseren Note, obwohl du eigentlich besser bist. Und wie steht es um den ungerechten Lehrer?
Genau an diesem Punkt widerspricht Matthäus 11,28 radikal unserer menschlichen Neigung: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Hier ist das Wort „alle“ von Bedeutung. Jesus hat wirklich „alle“ gemeint und nicht nur eine bestimmte Gruppe von Menschen, die sich für besser halten. Das ist ungeheuer provozierend.
Das Alte Testament kennt eine ähnliche Botschaft, etwa in Hesekiel 18,23: „Meint ihr, es gefällt mir, wenn ein Gottloser stirbt? … Nein, ich freue mich, wenn er sein Leben ändert und am Leben bleibt.“ Gott sagt das über die, die man als „böse Menschen“ kategorisieren würde. Und über die, die nach Gottes Urteil den ewigen Tod verdient haben – also über seine Feinde.
Wenn wir die Bibel ernst nehmen, dann wird es unbequem: Wer andere Menschen verachtet, verfolgt, entmenschlicht oder ihnen den Untergang wünscht, stellt sich damit selbst gegen das Herz Gottes. Denn Gott will nicht Vernichtung, sondern Umkehr. Nicht Auslöschung, sondern Rettung. Weiter gedacht: Er möchte nicht deinen Lobpreis, wenn du gleichzeitig keine Barmherzigkeit gegenüber deinen Mitmenschen hast, die dir auf der Straße oder im Internet begegnen.
Und genau darin liegt der Skandal der christlichen Botschaft. Gott sieht einen Menschen immer als jemanden, den er retten will. Die Evangelien zeigen uns immer wieder, dass Jesus nicht die Frommen und Rechtschaffenen einlädt. Auch nicht die, die ihr Leben sauber sortiert haben.
Frage dich selbst: Bist du vielleicht seit Jahren im Gottesdienst, kennst jede christliche Antwort und singst jedes Lied mit – aber dein Herz ist längst hart gegenüber Menschen geworden? Oder springst du von Worship-Event zu Worship-Event, postest Bibelverse und christliche Reels – und beziehst Positionen gegen Menschen, die Christus direkt vor deine Tür gestellt hat?
Diese Jesus-Worte waren nie als Kalender- oder Postersprüche gedacht. Stell dir vor, Christus steht am Wegrand und ruft laut: „Kommt, kommt, kommt!“ Die Beladenen. Die innerlich Müden und die, die kaum noch glauben können, dass Gottes Gnade auch ihnen gilt. Aber auch du darfst dich angesprochen fühlen – und auch die Person, die du gestern noch bekämpft hast, als säße der Teufel persönlich in ihr drin.
Der Ruf zum Glauben ist kein Kreuzzug. Er ist ein Rettungsruf. Nicht aggressiv, aber dringend. Wie jemand, der einen anderen davon abhalten will, die Klippe herunterzustürzen.
Christsein beginnt dort, wo ein erschöpfter Mensch dem Ruf Jesu glaubt. Und dort beginnt echte Buße. Sie bleibt nicht im schlechten Gewissen stecken, sondern erkennt: Ich kann mich nicht selbst retten. Ich höre auf, es zu versuchen, und komme ehrlich, so wie ich bin, zu Gott.
Da beginnt auch Entlastung. Nicht jede Last verschwindet sofort, nicht jede Krise löst sich auf der Stelle. Aber niemand muss sie mehr allein tragen. Den Müden, den Verirrten, den innerlich Erschöpften ruft Christus genau dieses eine Wort zu: „Komm.“
Dieses „Komm“ gilt auch dir. Lass dich in Gottes Arme fallen. Ängste und Sorgen setzen sich schnell ans Steuer. Dann bestimmen sie, wie du denkst und redest. Sprich darum mit Gott, erzähl ihm davon. So behältst du ihn im Blick und bleibst auf Kurs – nicht aus eigener Kraft, sondern weil er dich hält.
Vielen Dank fürs Lesen!
Dein Peter
Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und unter Lasten stöhnt! Ich werde euch ausruhen lassen.
Matthäus 11, 28







