Manchmal merkt man erst im Sturm, wohin man eigentlich schaut. Solange das Leben ruhig ist, fällt es kaum auf. Da schaut man auf Termine, Pläne, Kontostand, Gesundheit, Anerkennung. Alles wichtig, alles menschlich. Aber wenn der Wind stärker und es um einen herum ungemütlich wird, zeigt sich, wie man gebaut ist. Und hier entscheidet der Blick und die Richtung, worauf mein inneres Auge schaut. Blicke ich auf die Wellen? Auf die eigene Kraft? Oder auf das, was gerade zerbricht? Oder auf Christus?
Paulus formuliert in seinem Brief an die Korinther einen Dank, der wie eine fromme Floskel klingt: „Gott sei gedankt, der uns allezeit Sieg gibt in Christo.“ Eigentlich heißt es im ursprünglichen Text: „Gott sei Dank, der uns immer im Triumphzug von Christus mitführt“. Ein siegreicher Feldherr zog damals öffentlich durch die Stadt, vor ihm wurden Zeichen des Sieges, Beute und auch Gefangene mitgeführt. Und direkt hinter dem Feldherrn marschierten seine Soldaten mit ihm. Prächtig herausgeputzt, ohne Waffen, mit Kränzen aus Lorbeerblättern auf dem Kopf und hielten Lorbeerzweige in den Händen. Sie waren in weiße Togen gekleidet, die die Kleidung des Friedens und der Zivilisten darstellte oder ihre feinsten Paradeuniformen. Ja, dieses Bild des römischen Triumphzuges ist historisch belegt und entspricht nicht dem, was Hollywood gerne dramatisch zeigt.
Genau dieses damals bekannte Bild benutzt Paulus, um zu verdeutlichen, welche Rolle wir einnehmen. Wir sind nicht Beute oder Besiegte, sondern laufen direkt hinter unserem Herrn. Auch wenn unser Leben äußerlich gar nicht nach Sieg und Triumphzug aussieht. Gott nimmt mich in diesem Sieg mit, selbst wenn ich mich gerade eher wie jemand fühle, der hinterher stolpert.
Es geht nicht darum, ein ständiges der Welt entrücktes Siegerlächeln im Gesicht zu tragen und so zu tun, als könnte einem nichts erschüttern. Es ist ein Blickwechsel. Der Blickwechsel auf etwas, was größer als meine Welt und mein Verstehen liegt.
Paulus kennt sehr genau die Erfahrung, dass man als Christ nicht automatisch auf der Sonnenseite steht. Auch Menschen, die beten, können in Gefahr geraten und sogar dabei umkommen. Menschen, die Gott vertrauen, können Fehler machen. Fehler, bei denen andere sagen: „Und du willst Christ sein?“ Christen haben nicht immer den Überblick und manchmal auch nicht den Durchblick. Der wichtige Unterschied liegt darin, worauf sie schauen, wenn es Probleme gibt.
Das ist übrigens keine rein emotionelle Vertröstung, sondern auch psychologisch absolut logisch. Unser Gehirn funktioniert wie ein Scheinwerfer. Worauf wir den Lichtkegel richten, das wird für uns zur „ganzen Wahrheit“. Wenn wir unter Stress nur auf die Wellen – also auf die Probleme und Ängste – starren, schüttet unser Körper Stresshormone aus, die unseren Tunnelblick noch verstärken. Wir verlieren buchstäblich die Fähigkeit, Lösungen oder einen Halt außerhalb unseres Tunnelblicks zu sehen. Psychologen nennen das oft „Priming“. Wenn ich meinen Fokus aber bewusst auf einen festen Punkt außerhalb des Chaos richte – in diesem Fall auf Christus –, signalisiere ich meinem System: „Es gibt eine Konstante, die größer ist als der Sturm.“ Das beruhigt das Nervensystem und macht uns überhaupt erst wieder denk- und handlungsfähig.
Mit diesem Wissen lässt sich auch besser verstehen, was Jesus mal sagte, als er davon sprach, dass die Sehenden blind und die Blinden sehend sind. Menschen, die sich nur auf das verlassen, was sie sehen, nämlich Fakten, Zahlen, Probleme und Ängste, geraten schnell in eine Tunnelblick-Situation und lassen sich oft von der Realität einschüchtern. Der Glaube an diese menschlichen Dinge macht hier „blind“ für das, was außerhalb liegt. Doch der auf Jesus gerichtete Blick öffnet die Augen für eine Ebene hinter der irdischen Fassade, auf eine ganz andere Dimension und auf Gottes Maßstäbe.
Ich kann morgens zuerst auf das Handy schauen und mich von Nachrichten, Empörungen, Erwartungen und Vergleichen füttern lassen. Oder ich kann einen Satz Gottes aus der Bibel als Geländer vor meine Gedanken stellen.
Das verändert nicht immer sofort die persönliche Lage und die Lage in der Welt. Aber es verändert den Standpunkt, von dem aus ich die Lage anschaue. Die Blickrichtung entscheidet nicht darüber, ob es Stürme gibt. Sie entscheidet darüber, ob der Sturm das letzte Wort bekommt. Hoffnung beginnt, wenn ich nicht mehr nur frage: „Wie groß ist die Welle?“, sondern „Wer hält mich, während sie kommt?“
Was auch passiert und heute begegnen mag, Gott hält dich in seiner Hand. Christus steht treu an deiner Seite und lässt dich nicht fallen.
Vielen Dank fürs Lesen!
Dein Peter
Gott sei Dank, der uns immer im Triumphzug von Christus mitführt
2. Korinther 2, 14








