Wie gehst du vor, wenn du die Bibel aufschlägst und darin liest? Lässt du den Bibeltext zu dir sprechen? Viele Gläubige lesen regelmäßig in der Bibel. Zumindest denken sie das. Dabei gehen sie nur mit den Augen über die Wörter. Geht es dir manchmal auch so? Du hast den Text vor dir, irgendwie liest du, doch es kommt nichts an. Aber ein Bibeltext will Aufmerksamkeit. Er möchte verstanden werden. In seinem Zusammenhang gehört und auf das eigene Leben bezogen werden. Dafür braucht es kein Theologiestudium. Es gibt viele Ansätze, wie man „richtig Bibel lesen“ machen kann. Aber vielleicht reichen diese drei einfachen Schritte: aufmerksam lesen, nach dem Zusammenhang fragen und überlegen, was der Text heute bedeutet. Lass uns das gleich mal an der Bibelstelle „wer das liest, der merke auf!“ aus Matthäus 24,15 gemeinsam üben. Am Besten ist es, wenn du parallel dazu das genannte Kapitel in der Bibel aufschlägst. Nimm dir dabei Zeit. Lass Gottes Wort an dich heran.
Martin Luther hatte die Bibel mit einem wichtigen Brief verglichen und erklärt, dass wenn ein Schreiben von einem Fürsten sorgfältig gelesen werden müsse, wie viel mehr gilt das für die Bibel, die er für Gottes Wort hält. Darum empfiehlt er, einen Abschnitt immer wieder zu lesen. Nicht, um möglichst schnell eine Antwort herauszuholen, sondern um wahrzunehmen, was tatsächlich gesagt wird. Was fällt mir auf? Welche Wörter wiederholen sich? Wer spricht, zu wem und in welcher Lage?
Das ist keine Geheimtechnik. Du kannst mit einem kurzen Abschnitt beginnen und ihn zweimal lesen. Beim zweiten Mal achtest du auf einen Satz, der dich überrascht, tröstet oder stört. Dann fragst du: Was steht davor und danach? Was wollte der Text seinen ersten Hörern sagen? Und was könnte er für mein Denken, meine Entscheidungen oder meinen Umgang mit anderen bedeuten? Solche Fragen verhindern, dass ein einzelner Satz alles sagen muss, was wir gerade gern hören möchten.
In Matthäus 24 warnt Jesus vor einer kommenden Katastrophe und der Zerstörung des Tempels. In Vers 15 greift er das Bild vom „Gräuel der Verwüstung“ aus dem Buch Daniel auf und betont: „Wer das liest, der achte gut darauf!“ Dass das kein theoretischer Lesetipp ist, zeigen die nächsten Verse: Wer dort lebt, soll ohne Zögern in die Berge fliehen. Jesus warnt hier vor einer ganz realen Gefahr – wer das Signal sieht, muss die Lage sofort richtig einschätzen und sich in Sicherheit bringen.
Die Aufforderung „merke darauf“ ist ernst gemeint und wir können uns überlegen, welche Wirkung es auf uns hat, wenn jemand zu uns sagt „pass auf!“ Gottes Wort soll nicht achtlos überflogen werden. Dabei sollten wir beides festhalten: den ursprünglichen Zusammenhang und die weiterführende Frage. Wer den Zusammenhang prüft, nimmt dem Text nichts weg. Er hört genauer hin.
Für das richtige Bibel lesen braucht es ein paar Minuten konzentriertes Beschäftigen mit der Bibel, ehrliche Fragen und eine verständliche Bibelübersetzung, damit der Einstieg leichter wird. Wenn eine Stelle unklar bleibt, kannst du parallel eine zweite Übersetzung lesen oder jemanden fragen, der sich auskennt. Du musst nicht so tun, als hättest du alles verstanden. Gute Bibellektüre beginnt oft mit einem ehrlichen: „Das verstehe ich im Moment noch nicht.“
In Lukas 2,19 wird von Maria berichtet: „Maria aber bewahrte das Gehörte in ihrem Herzen und dachte immer wieder darüber nach.“ Damit ist kein bloßes Grübeln gemeint. Es geht darum, einer Botschaft aus dem Bibeltext Raum zu geben, sich daran zu erinnern und zu prüfen, was es mit dem eigenen Leben zu tun hat.
Bibelkenntnis und theologisches Wissen sind wichtig. Sie erschließen Sprache, Geschichte und Zusammenhang, helfen schwierige Stellen einzuordnen und bewahren vor schnellen Deutungen. Dieses Wissen ist aber kein Eintrittsticket für besseres Bibel lesen. Es kann aber viele neue Türen öffnen, um zu verstehen. Je besser wir uns in der Bibel auskennen, umso leichter können wir Gottes reden zu uns erkennen und verstehen. So kann Gottes Wort tiefer in uns wirken und seine Kraft entfalten.
Bibel lesen ist eine Entdeckungsreise. Fang einfach mit dem an, was vor dir liegt: Nimm dir heute ein paar ungestörte Minuten, wähle einen kurzen Abschnitt und lies ihn ganz bewusst zweimal. Schau hin, was dort wirklich steht, frage nach dem Zusammenhang, tauche hinein und lass den Text wirken. Du wirst merken: Wenn wir aufhören, nur mit den Augen über die Zeilen zu fliegen, fängt die Bibel an, lebendig zu werden.
Vielen Dank fürs Lesen!
Dein Peter
… wer das liest, der merke auf!
Matthäus 24,15
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