Es gibt ein Missverständnis, das sich hartnäckig hält: Wer zu Jesus gehört, dem wird das Leben leichter. Krankheit, Verlust, Druck, Angst – das soll sich doch irgendwann zurückziehen, wenn man nur ehrlich und fest genug glaubt. Aber das Neue Testament sagt uns etwas anderes. Z.B. Petrus schreibt den Gemeinden, dass das Leiden zum Leben auf dieser Erde dazugehört und er schreibt ihnen, wie sie dieses Leid aushalten können.
Irgendwo schwellt der leise Funken und die Erwartung, wenn du zu Jesus gehörst, dann müsste doch dein Leben einfacher werden. Natürlich sagt das kaum jemand so platt. Es klingt eher zwischen den Zeilen mit. Irgendwann müsste der Druck doch nachlassen. Irgendwann müsste Krankheit zurückweichen, Angst verstummen, Verlust sich erklären lassen. Wenn der Glaube nur ehrlich genug ist, wenn das Gebet nur tief genug geht, wenn man Gott wirklich vertraut – dann müsste das Dunkel doch wenigstens ein wenig kürzer werden.
Petrus erklärt es im 1. Petrus 4 anders. Er schreibt an Menschen, die unter Druck stehen. Nicht an Leute mit theoretischen Problemen, nicht an eine Gemeinde, die sich ein theologisches Thema für den Hauskreis ausgesucht hat. Seine Leser wissen, was es heißt, fremd zu sein, verdächtigt zu werden, Nachteile zu tragen, weil sie Christus gehören. Und Petrus sagt ihnen nicht: Bald ist es vorbei. Er sagt ihnen, wie sie darin bestehen können.
Christsein bedeutet nicht, dass Leiden ausbleibt. Es bedeutet, dass Leiden seinen letzten Anspruch verliert. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Und genau hier beginnt der Punkt, an dem sich in schweren Zeiten alles entscheidet: Worauf richtest du deinen Blick?
Aber der Mensch ist kein neutraler Beobachter seiner eigenen Lage. Schmerz zieht uns magnetisch an, Angst und Sorgen übertönen fast alles andere, und es entsteht ein Tunnelblick – so ist unsere Seele gebaut.
Hier kommt eine Dimension hinzu: Es gibt einen, der genau diesen Mechanismus nutzt. Die Bibel nennt ihn den Verkläger. Diese Schwachstelle nutzt dieser „Verkläger“. Er geht umher wie ein brüllender Löwe und sein Geschäft ist die Verengung. Er will, dass dein Blick an der Krise hängen bleibt und du Gottes Zusagen vergisst. Und er drängt dich dazu, Schuldige zu suchen – ob andere oder dich selbst –, damit du dich im Schmerz wälzt und in der Nacht nicht mehr glauben kannst, was am Morgen noch wahr war.
Petrus kennt diese Wirklichkeit. Darum ruft er Christen nicht dazu auf, ihre Gefühle abzuschalten. Gefühle sind nicht der Feind. Sie zeigen etwas an. Sie melden, dass etwas weh tut, dass etwas fehlt, dass etwas bedrohlich geworden ist. Aber Gefühle können keine letzte Auskunft über Gott geben. Sie sind Sensoren für unsere Lage, aber nicht Richter über Gottes Treue. Was wahr ist, hängt nicht daran, wie stark ich es gerade empfinde. Das ist eine barmherzige Nachricht. Denn sonst wäre der Glaube jedes Mal verloren, wenn das Herz müde wird.
Petrus geht noch weiter. Er deutet Leiden nicht als Beweis gegen Gott. Auch nicht als Zeichen dafür, dass ein Christ versagt hat. Wer um Christi willen leidet, steht nicht außerhalb von Gottes Weg. Er ist auf der gleichen Welle unterwegs, die Jesus selbst gegangen ist. Die Hoffnung liegt darin, dass wir sehen, wie Jesus gelitten hat, es aber ein „danach“ gegeben hat. Daher kommt auch unser Trost im Leid. Wer heute leidet, für den ist der Schmerz und die Krankheit nicht das Ende. Es gibt ein danach, das große Freude enthält.
Auch wenn dieser eine Satz, leise und schwer wirkt: „Wer also nach dem Willen Gottes zu leiden hat, soll sich seinem treuen Schöpfer anbefehlen und nicht aufhören, Gutes zu tun.“ (1. Petrus 4, 19), so gibt er uns doch Trost und Ruhe.
Petrus benutzt bewusst das Wort Schöpfer und möchte auf etwas hinweisen. Das ist der, der dich nicht erst verstehen muss. Er hat dich gewollt, geformt, gekannt, bevor du dich selbst begreifen konntest. Er weiß, was ein Körper tragen kann. Er weiß, wann eine Seele nur noch flüstert. Unser Gott kennt die Stellen, an denen du stark wirkst, und die Stellen, an denen du längst nicht mehr kannst. Ihm sollst du dich anvertrauen und dich in seinen sicheren Händen legen. Nicht, weil der Schmerz klein wäre. Sondern, weil seine Hände größer sind.
Vielen Dank fürs Lesen!
Dein Peter
Wer also nach dem Willen Gottes zu leiden hat, soll sich seinem treuen Schöpfer anbefehlen und nicht aufhören, Gutes zu tun.
1. Petrus 4, 19






