Zwischen Wollen und Tun

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Bildhinweis: KI-generiertes Bild – keine reale Aufnahme.

Es gibt diesen Moment, den du kennst. Und zwar, wenn du zwischen Wollen und Tun stehst. Du nimmst dir etwas vor. Fest. Vielleicht sogar mit einem kleinen Gebet davor. Du willst geduldiger sein – und dann kommt die Situation, in der du es sein müsstest, und du explodierst trotzdem. Du willst weniger auf dein Handy schauen – und greifst dreimal so oft danach wie gestern. Oder du willst ehrlicher sein, mutiger, ruhiger, großzügiger. Und dann passiert das Leben.

Dieses Auseinanderklaffen zwischen Wollen und Tun – das ist kein modernes Problem. Es ist eines der ältesten überhaupt. Ich greife mal einen Erlebnisbericht mit einem eingeschlafenen Schüler von Sokrates auf.

In Athen lehrte Sokrates auf dem Marktplatz. Eines Tages saß ein Schüler in seinem Unterricht – ein junger Mann, der unbedingt dabei sein wollte, der um diesen Unterricht regelrecht gebettelt hatte. Und während Sokrates über die Tugend sprach, brannte die Sonne heiß und der Schüler nickte ein.

Man kann sich vorstellen, wie Sokrates reagierte: nicht mit Zorn, sondern mit einem wissenden Lächeln. Denn er wusste: Der Körper ist kein treuer Verbündeter des Geistes. Selbst der stärkste Wille hat einen Körper, der seine eigenen Gesetze kennt.

Was Sokrates ahnte, formuliert Paulus in Galater 5,17 direkt: „Das Fleisch gelüstet wider den Geist und der Geist wider das Fleisch.“ Dieser Satz ist kein Versagen – er ist eine Diagnose. Eine ehrliche, nüchterne Beschreibung des Menschseins.

Der Streit, den Paulus beschreibt, passiert nicht nur bei den offensichtlichen Schurken. Er passiert in den Gläubigen. Wer glaubt, wer aufgewacht ist, wer anfängt, das Leben ernst zu nehmen – der merkt den Widerspruch überhaupt erst.

Das ist fast paradox: Je näher du Gott kommst, desto deutlicher spürst du den Zug in die andere Richtung. Wie Luther es einmal knapp auf den Punkt brachte: „Wenn der Glaube da ist, so kommen hundert böse Gedanken, hundert mehr Anfechtungen als vorher.“

Das ist kein Zeichen, dass du versagst. Es ist ein Zeichen, dass du wach bist. Aber Paulus bleibt nicht bei diesem Trost stehen. In Galater 5 steht nicht nur, dass Fleisch und Geist sich widersprechen und bildlich gesprochen, gegeneinander kämpfen – da steht auch, was das bedeutet.

Paulus nennt die Werke des Fleisches, also die Natur des Menschen: Feindschaft, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Spaltungen, Neid. Und er sagt dabei sehr klar: Wer so lebt, wer so handelt – wer das als Lebensweise wählt, es ist ja keiner gezwungen so oder anders zu handeln – hat keinen Platz im Reich Gottes. Das ist keine Drohung, sondern eine Realitätsbeschreibung. Wer konsequent das lebt, was der bloßen menschlichen Natur entspricht, lebt an Gott vorbei.

Umgekehrt gilt, wer Liebe, Geduld, Güte, Treue, Sanftmut lebt – gegen den hat das Gesetz nichts. Die Welt selbst hat kein Argument gegen einen Menschen, der so lebt. Niemand beschwert sich über zu viel Güte.

Der Maßstab ist nicht Perfektion. Der Maßstab ist Richtung.

Vielleicht liest du das hier und denkst: Dann versage ich. Dann gehöre ich nicht dazu. Halt! Hör kurz auf damit.

Fühlen ist nicht Handeln. Spüren ist nicht Wählen. Der innere Kampf ist kein Beweis gegen deinen Glauben – er ist oft genug sein Zeichen. Wer sich in seinem Handeln immer sehr sicher und entschlossen ist, bei dem stimmt etwas nicht. Nur wer sich selbst immer wieder hinterfragt und sein Handeln mit den Früchten des Geistes abgleicht und neu daran ausrichtet, der kämpft den guten Kampf des Glaubens.

Bleib also dran. Bleib treu. Nicht aus Angst vor Strafe, sondern weil du weißt, wohin du willst und zu wem du gehörst. Und wenn du stolperst und dich falsch verhalten hast: Gott verurteilt nicht jeden Gedanken, der dir durch den Kopf schießt. Viel wichtiger ist, wie du mit deinen eigenen Fehlern umgehst. Er schaut, wohin du dich wendest, wenn du merkst, dass du gestolpert bist.

Wenn dein Verhalten, deine Worte oder deine Reaktionen regelmäßig für Unruhe, Streit oder Kälte sorgen – merkst du es? Und wenn ja: Bereitet es dir selbst Unbehagen? Versuchst du es zu ändern? Wenn ja, dann weißt du bereits, wo der Geist in dir arbeitet.

Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Peter


Denn die menschliche Natur widerstrebt dem Geist Gottes und der Geist Gottes ebenso der menschlichen Natur. Beide stehen gegeneinander, damit ihr nicht einfach tut, was ihr wollt.

Galater 5, 17