Es ist ein Abend voller Spannung. Die Jünger sitzen mit Jesus zusammen, doch die Atmosphäre ist anders als sonst. Jesus spricht davon, dass er gehen wird. Er redet vom Vater, von seinem Weg und von Dingen, die seine Freunde nur schwer verstehen können. Was für Jesus klar ist, wirft bei den Jüngern immer neue Fragen auf. Sie sehen die großen Zusammenhänge nicht, daher wirken Jesu Worte sehr abstrakt. So versucht Thomas von seinem Verstehen auszugehen und fragt nach dem Weg. Petrus wiederum versteht nicht, warum er Jesus nicht folgen kann. Und schließlich meldet sich Philippus zu Wort. Vielleicht spricht er aus, was die anderen ebenfalls denken. Vielleicht ist seine Bitte Ausdruck einer Sehnsucht, die Menschen bis heute kennen: „Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.“ Mit anderen Worten: Gib uns etwas, was uns hilft, um sicher zu sein. Ein altes Wort dafür ist „Gewissheit“. Zeig uns Gott. Lass uns endlich erkennen, woran wir sind.
Doch die Antwort von Jesus überrascht. Er verweist Philippus nicht auf ein besonderes Erlebnis, keine Vision und kein verborgenes Geheimnis. Stattdessen sagt er: „So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ (Johannes 14,9)
Wenn ich daran zweifle, ob mein Glaube „echt“ oder stark genug ist und ob Gott mich angenommen hat, dann suche ich die Antwort oft am falschen Ort. Es geht nicht darum, wie perfekt ich glaube oder wie tief ich in die verborgenen Geheimnisse des Universums eintauche, um alles zu verstehen. Es geht auch nicht darum, ob ich gut genug für Gott bin.
Jesus lenkt Philippus, und uns, weg von den ganzen großen, ungelösten Lebensfragen. Es reicht, sich Jesus anzuschauen, um Gott zu verstehen. In Jesus erleben wir nämlich keinen unberechenbaren Gott, der wütend oder launisch auf uns herabschaut. Er ist der Gott, der uns trotz unserer Fehler annimmt, der uns einen Neustart schenkt und uns in sein Team holt.
Das gibt uns Sicherheit. Noch einmal und dick unterstrichen: sicherer Glaube hängt nicht von einem emotionalen Moment ab. Er baut auf dem auf, was Gott uns in Jesus versprochen hat. Gott ist absolut verlässlich und steht zu seinem Wort. Wenn du das nicht für bare Münze nimmst und zu deiner Grundlage machst, dann sagst du damit, dass Gott nicht zu trauen ist.
Hinter vielen Zweifeln steckt eine tiefere Frage: Bin ich überhaupt jemand, den Gott wirklich will? Wer sich selbst kennt – mit allem, was er lieber versteckt oder bereut – fragt sich irgendwann, ob Gottes Annahme wirklich für ihn gilt. Selbst Martin Luther hatte genau diese Frage. Seine Entdeckung war: Es kommt überhaupt nicht darauf an, wie stabil wir sind, sondern wie stabil Gott ist. Die Richtung läuft nicht von uns zu Gott, sondern von Gott zu uns. Nicht unsere eigene Willenskraft hält uns im Glauben fest, sondern die Beziehung zu Gott – von ihm kommt die ganze Kraft überhaupt erst. Die Bibel fragt das sogar ganz direkt: „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?“ (Römer 8, 35). Die Antwort kommt gleich danach und lautet: Absolut nichts! Weder Krisen noch fiese Zeiten, weder das, was heute abgeht, noch das, was die Zukunft bringt.
Zweifel sind kein Beweis dafür, dass Gott einen ignoriert. Auch miese Phasen, Schwäche oder das Gefühl, innerlich völlig leer zu sein, ändern nichts an Gottes Versprechen. Die echte Gefahr ist deshalb nicht ein schwacher Glaube, sondern dass wir Jesus aus den Augen verlieren und die Sicherheit woanders suchen.
Philippus wollte eine Garantie – etwas Handfestes, das alle Zweifel ein für alle Mal auflöst. Jesus hat auf sich selbst gezeigt: Schau mich an. Das ist deine Antwort. Das gilt auch heute für uns. Wenn die Frage kommt – Kann das alles wirklich wahr sein? Bin ich wirklich genug? – dann lohnt es sich, innezuhalten. Such die Antwort nicht in deinen eigenen Gefühlen. Schau dorthin, wo Gott dir sein Versprechen schwarz auf weiß gegeben hat: Lies in der Bibel, geh zu den Menschen, die dir in Jesu Namen zusagen können: „Du bist angenommen.“
Gott beweist seine Liebe dadurch, dass er versprochen hat, jede Phase deines Lebens mitzugehen – egal was du gerade durchmachst.
Vielen Dank fürs Lesen!
Dein Peter
„Solange bin ich schon bei euch, Philippus, und du kennst mich immer noch nicht?“, erwiderte Jesus „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen! Wie kannst du da sagen: Zeige uns den Vater!?“
Johannes 14, 9








